Diözesan-Caritasverband Münster, 13.09.2008

"Eigentlich bin ich ganz anders..."

Junge Musiker decken bei Abschlusskonzert zum Musikworkshop der Caritas "Etikettenschwindel" auf: "So sehen Helden aus"

 

Münster ( cpm ). „Eigentlich bin ich ganz anders“, singt Udo Lindenberg. Das war die Leitidee für das Konzert am Freitagabend in der Jugendkirche „ effata “ in Münster. Hier zeigten Kinder und Jugendliche aus Heimen eindrucksvoll, dass sie anders sind, als sie häufig gesehen werden. Etiketten haften ihnen an: schwer erziehbar, kein Bock auf Schule. Immer wieder hören sie, was sie alles nicht können sollen. Etikettenschwindel, meinte Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann , bevor die erste Popband unter anderem mit dem Lindenberg-Song den Gegenbeweis antrat. Man müsse ihnen nur die Chance geben, ihre Stärken zu zeigen. Der Musikworkshop der Caritas zum Jahresthema 2008 unter dem Motto „So sehen Helden aus“ tat es und sie nutzten sie. Manche der Mitwirkenden hatten vorher noch kein Instrument in Händen gehalten, in keinem Chor gesungen, keine Trommel geschlagen und wussten mit dem Begriff Beatbox nichts anzufangen. Nach zweieinhalb Tagen begeisterten sie mit einem über zweistündigen, breitgefächerten Programm das Publikum im überfüllten Kirchenraum.

Zwei Popbands wechselten sich mit der Trommelgruppe ab und brachten die Zuhörer mit ihren Rhythmen in Stimmung. Die Beatboxer beeindruckten mit stimmlichen Imitationen von Schlagzeug und Percussion , die sie vom Deutschen Meister im Beatbox gelernt hatten. Ruhigere Melodien schob die Big Band ein, um zum Abschluss mit dem Solo im Lied „ What a feeling “ zu den ebenso mitreißenden Liedern des Gospelchors mit wechselnden Solisten und 45 Sängerinnen und Sängern überzuleiten. Die kamen nicht ohne Zugabe von der Bühne. Verbunden wurden die einzelnen Gruppen von Moderator Stefan Siebenkotten-Dalhoff , selbst Musiker in der münsterschen Band Cadillac und Leiter eines Kinder- und Jugendheims der Stadt Düsseldorf, der die Umbauphasen für Interviews mit den Jugendlichen nutzte.

Eindrucksvoll war das Ergebnis auch für Bernd Keffer , Leiter des Musikprojekts des Bundesverbandes katholischer Einrichtungen der Erziehungshilfe. Einzeln sei der Umgang mit den Jugendlichen im Alltag nicht zuletzt aufgrund ihrer häufig schwierigen Herkunftsgeschichte nicht immer einfach. Wo sonst nur eine kurze Konzentrationsphase möglich sei, hätten sie im Workshop über zwei Tage hochkonzentriert ihre Stücke immer wieder geübt. Auch die Einigung darauf, wer wo mitspielt und Solopartien übernimmt, sei völlig unproblematisch gewesen. „Wir Pädagogen nennen es soziales Lernen“, erklärte Stefan Siebenkotten-Dalhoff dieses Phänomen auf der Bühne, aber der Musiker sage einfach: „Wenn es grooved , dann läufts .“

  In der Regel zweimal im Jahr treffen sich musikbegeisterte Erzieher und Jugendliche im „Bundesmusikprojekt“ an wechselnden Orten, um in wenigen Tagen ein Konzert auf die Beine zu stellen. Diesmal hatte der Caritasverband für die Diözese Münster als Aktion im Rahmen des Jahresthemas „Achten statt ächten“ dazu insbesondere auch die Heime in der eigenen Diözese eingeladen. 40 der rund 100 Teilnehmer kamen aus der Region. Im Haus vom Guten Hirten waren sie untergekommen und hatten das weitläufige Gelände Tönen gefüllt. Heimleiter Stefan Schrade spielt selbst Saxophon und ist seit Jahren bei den Bundestreffen dabei.

Unterstützt wurde die Aktion von der Arbeitsgemeinschaft Erzieherische Hilfen in der Diözese Münster (AGE), der Abteilung Kinder- und Jugendseelsorge im Bistum und finanziell von der Caritas-GemeinschaftsStiftung im Bistum Münster. Das Team der Jugendkirche „ effata “ um Diözesanjugendseelsorger Thorsten Schmölzig zeigte seine Stärke mit Bühnenbau und Soundtechnik.

 

91/2008            13. September 2008

 

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