Diözesan-Caritasverband Münster, 25.02.2009

Respekt für die Menschen am Rande

Ein Viertel der unter 18jährigen armutsgefährdet/Caritas fordert mehr Investitionen in Bildung/Stiftung startet Aktion

Münster (cpm). Psychische Erkrankungen, Arbeitslosigkeit, Überschuldung - vielfältig sind die Ursachen, durch die Menschen an den Rand der Gesellschaft geraten. Für sie fordert die Caritas im Rahmen ihrer Jahreskampagne 2009 Respekt. Von der Politik erwartet Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann allerdings mehr: "Wir brauchen vor allem mehr Investitionen in Bildung und Qualifizierung," sagte er auf der Auftaktveranstaltung zum Jahresthema "Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft" am Mittwoch in Münster. Dies sei eine der zentralen sozialpolitischen Rahmenbedingungen, um Armut zu bekämpfen und die Menschen am Rande wieder in die Mitte der Gesellschaft zu holen.

Kessmann forderte die Einrichtungen und Dienste der Caritas in der Diözese Münster auf, im Rahmen der Jahreskampagne Begegnungen zwischen den politisch Verantwortlichen und den Menschen am Rande der Gesellschaft zu ermöglichen. Dies könne ein Beitrag dazu sein, dass auch in den politischen Debatten respektvoll mit diesen Personengruppen umgegangen werde.

Trotz des Aufschwungs bis zum Herbst letzten Jahres ist die Zahl der armutsgefährdeten Bürger nicht gesunken. Für Dr. Ulrich Thien, Referatsleiter Soziale Arbeit ist das ein klares Indiz für die sich verfestigende Kluft zwischen arm und reich: "18 Prozent der Menschen haben weniger als 60 Prozent des Durchschnitteinkommens zur Verfügung und gelten damit als arm". Konkret seien dies beispielsweise in Recklinghausen über 20.000 oder im ländlichen Kevelaer rund 5.000. Noch erschreckender seien die Zahlen für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Da gelten 24,4 Prozent im Jahr 2007 als armutsgefährdet. Für Münster wären das fast 10.000.

Die Wirtschaftskrise wird die Situation nach Ansicht von Heinz-Josef Kessmann noch einmal deutlich verschärfen. Arbeitslosigkeit sei ein Kernproblem sowohl als Ursache wie auch als Folge für viele andere Probleme, die zu einem Leben am Existenzminimum führten. Deswegen müsse hier schon frühzeitig angesetzt werden, um durch eine Stärkung des Bildungssystems "Armutskarrieren" zu verhindern. Kinder aus sozial benachteiligten Familien hätten erkennbar schlechtere Ausgangsbedingungen. Kessmann kündigte an, dass die CaritasGemeinschaftsStiftung in Kürze eine Aktion starten werde, um die Betreuung in den Offenen Ganztagsgrundschulen auszubauen und hier insbesondere Schüler aus benachteiligten Familien zu fördern.

Ebenso wichtig sei es, insbesondere langzeitarbeitslose Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Stattdessen seien die Bedingungen für Arbeitsgelegenheiten aktuell verschlechtert worden und habe die Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente die Langzeitarbeitslosen gerade nicht in den Blick genommen. Angesichts der jetzt zu erwartenden Entwicklung "muss das Problem Langzeitarbeitslosigkeit dringend erneut von der Politik angegangen werden.

Mit zahlreichen Aktionen will die Caritas in der Diözese Münster die Jahreskampagne in die Öffentlichkeit tragen. Beim Auftakt wurde eine riesige Einkaufstüte mit der Aufschrift "Respekt - Alles andere kommt mir nicht in die Tüte" präsentiert, umgeben von 220 Papiertüten   in Normalgröße. Sie standen symbolisch für je 1.000 Menschen, die in der Diözese Münster von Arbeitslosengeld II leben. 50.000 davon werden in Nordrhein-Westfalen auf das Thema aufmerksam machen.                                                                    

21/2009             25. Februar 2009

 

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