Respekt für die Menschen am Rande
Ein Viertel der unter 18jährigen armutsgefährdet/Caritas fordert mehr Investitionen in Bildung/Stiftung startet Aktion
Münster (cpm).
Psychische Erkrankungen,
Arbeitslosigkeit, Überschuldung - vielfältig sind die Ursachen, durch die
Menschen an den Rand der Gesellschaft geraten. Für sie fordert die Caritas im
Rahmen ihrer Jahreskampagne 2009 Respekt. Von der Politik erwartet
Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann allerdings mehr: "Wir
brauchen vor allem mehr Investitionen in Bildung und Qualifizierung,"
sagte er auf der Auftaktveranstaltung zum Jahresthema "Soziale Manieren
für eine bessere Gesellschaft" am Mittwoch in Münster. Dies sei eine der
zentralen sozialpolitischen Rahmenbedingungen, um Armut zu bekämpfen und die
Menschen am Rande wieder in die Mitte der Gesellschaft zu holen.
Kessmann forderte die Einrichtungen und Dienste der
Caritas in der Diözese Münster auf, im Rahmen der Jahreskampagne Begegnungen
zwischen den politisch Verantwortlichen und den Menschen am Rande der
Gesellschaft zu ermöglichen. Dies könne ein Beitrag dazu sein, dass auch in den
politischen Debatten respektvoll mit diesen Personengruppen umgegangen werde.
Trotz des Aufschwungs bis zum Herbst letzten Jahres
ist die Zahl der armutsgefährdeten Bürger nicht gesunken. Für Dr. Ulrich Thien,
Referatsleiter Soziale Arbeit ist das ein klares Indiz für die sich
verfestigende Kluft zwischen arm und reich: "18 Prozent der Menschen haben
weniger als 60 Prozent des Durchschnitteinkommens zur Verfügung und gelten
damit als arm". Konkret seien dies beispielsweise in Recklinghausen über
20.000 oder im ländlichen Kevelaer rund 5.000. Noch erschreckender seien die
Zahlen für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Da gelten 24,4 Prozent im
Jahr 2007 als armutsgefährdet. Für Münster wären das fast 10.000.
Die Wirtschaftskrise wird die Situation nach Ansicht
von Heinz-Josef Kessmann noch einmal deutlich verschärfen. Arbeitslosigkeit sei
ein Kernproblem sowohl als Ursache wie auch als Folge für viele andere
Probleme, die zu einem Leben am Existenzminimum führten. Deswegen müsse hier
schon frühzeitig angesetzt werden, um durch eine Stärkung des Bildungssystems
"Armutskarrieren" zu verhindern. Kinder aus sozial benachteiligten
Familien hätten erkennbar schlechtere Ausgangsbedingungen. Kessmann kündigte
an, dass die CaritasGemeinschaftsStiftung in Kürze eine Aktion starten werde,
um die Betreuung in den Offenen Ganztagsgrundschulen auszubauen und hier
insbesondere Schüler aus benachteiligten Familien zu fördern.
Ebenso wichtig sei es, insbesondere
langzeitarbeitslose Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Stattdessen seien die Bedingungen für Arbeitsgelegenheiten aktuell
verschlechtert worden und habe die Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen
Instrumente die Langzeitarbeitslosen gerade nicht in den Blick genommen.
Angesichts der jetzt zu erwartenden Entwicklung "muss das Problem
Langzeitarbeitslosigkeit dringend erneut von der Politik angegangen werden.
Mit zahlreichen Aktionen will die Caritas in der
Diözese Münster die Jahreskampagne in die Öffentlichkeit tragen. Beim Auftakt
wurde eine riesige Einkaufstüte mit der Aufschrift "Respekt - Alles andere
kommt mir nicht in die Tüte" präsentiert, umgeben von 220 Papiertüten
in Normalgröße. Sie standen symbolisch für
je 1.000 Menschen, die in der Diözese Münster von Arbeitslosengeld II leben.
50.000 davon werden in Nordrhein-Westfalen auf das Thema aufmerksam machen.
21/2009
25.
Februar 2009
