Krankenhäuser testen neues Abrechnungssystem für Pflegeaufwand
Hochaufwändige Pflege passt nicht in Fallpauschalen/Caritas schult Pflegemitarbeiter/Flächendeckende Einführung ab 2012
Münster/Schwerte (cpm).
Mit Beginn des Jahres testen die
ersten Krankenhäuser ein neues Abrechnungssystem für hochaufwändige Pflege
einzelner Patienten. Die Caritas in der Diözese Münster verspricht sich von den
sogenannten "OPS 2010 Pflegekomplexmaßnahmen-Score - PPR A4"
eine Stärkung der Pflege. Unabhängig von der
Diagnose sollen die Kliniken bei Patienten, bei denen der Aufwand weit über den
in den Fallpauschalen vorgesehenen Zeiten hinausreicht, zusätzliche Leistungen
abrechnen können. Der Pflegekomplexmaßnahmen-Score wird jetzt in den
Krankenhäusern eingeführt, um ihn ab 2012 in das Abrechnungssystem zu
übernehmen. Auf großes Interesse stieß eine gemeinsam mit der Caritas im
Erzbistum Paderborn angebotene Fachtagung in Schwerte. 140 Teilnehmer
informierten sich über die Pflegekomplexmaßnahmen und wurden in ihrer Anwendung
geschult.
Abgerechnet werden kann der zusätzliche Aufwand in
eng definierten Grenzen zum Beispiel für besonders schwergewichtige oder
demenzkranke Patienten, die besonders zeitintensiv betreut werden müssen.
Höchstens fünf Prozent der Patienten dürfen als "hochaufwändig"
eingestuft werden. "Erste Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass dies ein
durchaus realistischer Wert ist", sagt Maria Gerlemann, Mitarbeiterin im
Diözesancaritasverband Münster.
Hintergrund der Einführung der zusätzlichen
Abrechnungsmöglichkeit ist eine Initiative der Pflegeverbände. Sie hatten bei
Einführung der Fallpauschalen darauf hingewiesen, dass die Erträge bei
hochaufwändiger Pflege nicht ausreichen. In den letzten Jahren seien ohnehin
schon über 50.000 Pflege-Stellen in den Kliniken abgebaut worden, so Gerlemann.
Um die Überlastung der Pflegemitarbeiter zu verringern, hatte Gesundheitsministerin
Ulla Schmidt 2009 Mittel für bis zu 17.000 zusätzliche Stellen bewilligt. Diese
Förderung ist befristet bis 2011. Die neuen Abrechnungsmöglichkeiten könnten
diese dringend benötigten Stellen erhalten, erklärt Gerlemann.
12/2010 28. Januar 2010
