Qualität von Pflege nicht in Zahlen messbar
180 katholische Altenheime kritisieren Prüfverfahren und fordern grundlegende Überarbeitung/Nutzlos ohne Vertrauen
Münster
(cpm).
Ob sich der Bewohner im Altenheim wohl fühlt, lässt nach
Ansicht der 180 katholischen Altenheime in der Diözese Münster nicht an Zahlen
und Daten messen und schon gar nicht daran, ob jeder Handgriff aufgeschrieben
ist oder nicht. In einem Positionspapier kritisiert die Diözesane
Arbeitsgemeinschaft Altenhilfe (
DiAG
), dass ein
Prüfverfahren nutzlos ist, wenn Pflegebedürftige und Angehörige den Ergebnissen
nicht vertrauen könnten. Der Prüfung der Dokumentation werde mehr
Aufmerksamkeit gewidmet als der Überprüfung der Lebensqualität der Bewohner.
Ein "sehr gut" werde beispielsweise vergeben, wenn dort vermerkt sei,
dass dem Wunsch nach "individueller Portionsgröße" gefolgt worden
sei. Fehle aber das Wort "individuell", gebe es sofort ein
"mangelhaft" - selbst wenn die Bedürfnisse des Bewohners in der
Realität berücksichtigt werden. Die
DiAG
fordert eine
grundsätzliche Überarbeitung des Prüfsystems. Ziel müsse dabei auch sein, die
Ergebnisse zu beschreiben statt in Schulnoten eine Vergleichbarkeit
vorzutäuschen.
Ausdrücklich betont
die
DiAG
im Positionspapier, dass sie "ein
transparentes und nachvollziehbares Verfahren zur Beurteilung von
Altenpflegeeinrichtungen für Pflegebedürftige und Angehörige" befürwortet.
Aber das sei nicht nur ein schematisches Abarbeiten der Dokumentationen zu
erreichen, sondern es müssten Beobachtungen einfließen und die Befragungen der
Bewohner stärker gewichtet werden. "Wie ein Mensch sich nach einer
Lagerung oder der fachgerechten Anbringung eines Verbands fühlt, kann nicht mit
einem quantitativen Erhebungsinstrument bemessen werden", erklärt Anne
Marx, Mitarbeiterin im Referat Altenhilfe des Diözesancaritasverbandes Münster.
Wenn der Eindruck
entstehe, dass die Prüfergebnisse zweifelhaft seien und nicht die tatsächliche
Qualität abbilden, "schaffen sie keine Transparenz sondern
Misstrauen", schreibt die
DiAG
Altenhilfe. Sie
fordert, dass "offene Augen für die Realität der
Bewohnerwirklichkeit
"
in den Einrichtungen "Basisvoraussetzungen für die Prüfer" sein
müssen. Dabei müssten Kriterien vorgegeben werden, damit nicht subjektiv
bewertet werde. Wenn in der Prüfanleitung jetzt die Frage nach dem
Gesamteindruck im Hinblick auf Sauberkeit und Hygiene als selbsterklärend
angesehen und deshalb auf Erläuterungen verzichtet werde, sei Objektivität
nicht erreichbar.
Die
DiAG
erwartet, dass bei einer Überarbeitung die Experten
aus Altenheimen und Sozialstationen mit ihrer Kritik gehört und beteiligt
werden.
Das vollständige
Positionspapier steht im Internet unter www.caritas-muenster.de/49744.asp.
71/2010 18. Juni 2010
