
Harald Westbeld
Stabsstelle Verbandspolitik & Kommunikation
Caritasverband für die Diözese Münster
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Zum Jahresthema 2008 gibt es umfassende Informationen auf den Internetseiten www.achten-statt-ächten.de
Die Jahresthemen 2009 bis 2011 werden unter das Oberthema "Teilhabe in Würde" gestellt. Speziell werden dazu folgende Bereiche angesprochen:
- 2009 - Menschen am Rande, insbesondere Wohnungslose
- 2010 - alte Menschen
- 2011 - Menschen mit Behinderungen
Von 2006 bis 2008 setzt sich die Befähigungsinitiative der Caritas bundesweit vor allem für junge Menschen ein.

Musikworkshop "So sehen Helden aus"
Jugendliche in Heimen entdecken Fähigkeiten und werden stark für den Alltag
Am Anfang war kaum Chaos. Schnell hat es sich in zwei Popbands, eine Big Band und einen Gospelchor sortiert und war hörbare Musik zu venehmen. 100 Jugendliche und Erzieher aus Heimen in Deutschland trafen sich zu einem Musikworkshop vom 10. bis 12. September in Münster.
Der Diözesancaritasverband Münster hatte den Workshop unter dem Motto "So sehen Helden aus" zum Jahresthema der Caritas "Achten statt ächten" organisiert und dazu insbesondere Mitarbeiter und Jugendliche aus der Diözese Münster eingeladen. Sie stellten mit 40 Teilnehmern fast die Hälfte der Musiker.
Gut zwei Tage hatten sie Zeit, um für das große Abschlusskonzert am Freitag in der Jugendkirche "effata" in Münster zu proben.
Bericht vom ersten Workshophtag
Fotos vom 2. Workshoptag und Abschlusskonzert
Einen Jugendlichen stellt die Bistumszeitung "Kirche und Leben" mit weiteren Informationen zum Workshop in ihrer aktuellen Ausgabe vor: "Musik macht Jugendliche stark für den Alltag"
Impressionen vom ersten Tag des Musikworkshop
In der Mitte hinten mit Mikrofon der Deutschde Meister im Beat Box, Daniel Mandolini aus Berlin.
des Lokalradios fängt O-Töne ein.
ihren Rhythmus.
von Udo Lindenberg, schaute interessiert
den probenden Jugendlichen zu und erkannte spontane Fortschritte.
Caritas-Jahresthema 2008: Achten statt ächten
Trotz Armut und Benachteiligungen meistern Jugendliche ihr Leben
Für eine veränderte Wahrnehmung und Haltung gegenüber benachteiligten Jugendlichen wirbt die Caritas in 2008. Sie fordert Jugendliche auf, zu "achten statt zu ächten". Damit wird die Befähigungsinitiative fortgeführt, in der sie benachteiligte Kinder und Jugendliche stärken will. Trotz Armut, Arbeitslosigkeit der Eltern, Gewalterfahrungen oder Benachteiligungen meistern Jugendliche erfolgreich ihr Leben. "Im Rahmen ihrer Kampagne will die Caritas aufzeigen, was die Gesellschaft tun kann, um benachteiligte Jugendliche zu stärken", erklärt der münstersche Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann.
"Jugendliche können ihr Leben bewältigen, wenn sie dazu befähigt werden", ist Kessmann überzeugt. Insbesondere stabile und verlässliche Beziehungen erweisen sich als notwendige Grundlage einer gesunden Entwicklung trotz widriger Umstände. Notwendig sind aber auch Schulen, die soziale Integration fördern und die Durchlässigkeit der Schichten vergrößern. Hilfreich sind nicht nur Pfarrgemeinden, die Jugendlichen Freiräume öffnen, sie einbinden und wertschätzen, sondern auch Betriebe, die ausbilden, auch wenn die Noten schlecht sind.
Viele weitere Akteure sieht Kessmann, die benachteiligten Jugendlichen Chancen eröffnen können: Soziale Einrichtungen beispielsweise, die Jugendliche begleiten. Heime und Wohngruppen, die ihnen ein Zuhause bieten. Auch die Medien können dazu beitragen, wenn sie über die kleinen Heldentaten des Alltags berichten. Nicht zuletzt die Jugendämter sieht Kessmann in der Verantwortung: "Jugendhilfe darf sich nicht hinter Haushaltszwängen verschanzen".
"Heldengeschichten" aus der Diözese Münster
Wie Jugendliche allen widrigen Umständen zum Trotz ihr Leben erfolgreich meistern, zeigen einige Beispiele, von denen viele als "Heldengeschichten" im Internet unter www.achten-statt-ächten zu finden sind. Hier die Beispiele aus der Diözese Münster:
Verlobten aus der Bahn geworfen.
Marc (21) aus Rheine
Die Trennung von seiner Verlobten hat Marc (21) aus der Bahn geworfen. "Das war nicht ganz pralle", sagt er. Schon sein Gesichtsausdruck zeigt, dass das leicht untertrieben ist. Heftigste Streitigkeiten sind vorausgegangen, bis sie ihn aus der gemeinsamen Wohnung herausgeworfen hat.
Das war im Januar, als er bei Nicole Müller-Wenzlaff in der Bürotür stand. Er brauchte umgehend ein neues Dach über dem Kopf, aber erst einmal zehn Minuten um sich zu sammeln. Dann schüttete er sein Herz auf der Couch aus. Mit einem Tipp der Mitarbeiterin der Jugendberatung der Caritas Rheine machte er sich auf den Weg zur ARGE. Er schaffte es, sofort eine Kostenzusage für ein Zimmer zu bekommen. "Das ging so schnell und unkompliziert", staunt Nicole Müller-Wenzlaff heute noch darüber, wie er das geschafft hat.
Marc kennt keine Berührungsängste, strahlt Optimismus aus und ist sich sicher zu schaffen, was er sich vornimmt. Jetzt wieder. Das sah damals noch ganz anders aus. Noch vor dem Rauswurf konnte er sich wegen der heftigen Konflikte mit seiner Verlobten nicht auf die Berufsvorbereitung bei der Kreishandwerkerschaft konzentrieren, ließ sich ständig krank schreiben, musste schließlich wegen Drogenkonsums abbrechen. Nach zwei Wochen Entzug blieb er fünf Wochen clean, fing dann wieder an. mehr
hat aber jetzt seinen Beruf gefunden.
Christian (22) aus Haltern
An der Schule hatte Christian "mehr oder weniger keine Lust mehr." Wohl eher mehr, als er nach der achten Klasse die Hauptschule schmiss und ohne Abschluss und Perspektive dastand. Empfehlen könne er das aus heutiger Sicht niemandem, außer jemand wolle viele Probleme haben.
Christian ist den härteren Weg gegangen: Arbeitslos, abgebrochene Lehre, Ein-Euro-Job und gleichzeitig Abendschule. Aber er hat es geschafft und Motivation ist heute kein Thema für ihn, gute Noten in der Berufsschule selbstverständlich. Seit einem Jahr macht der 22jährige eine Ausbildung zum Zwei-Rad-Monteur in der Radstation der Caritas Haltern. Er denkt darüber nach, noch ein Jahr dranzuhängen, um auch Mechaniker zu werden. Zuhause ist er aus der Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung ausgezogen, in der er mit seiner Mutter und zwei Zwillingsbrüdern aufgewachsen ist. Caritas-Geschäftsführer Willi Grave hat ihm in Aussicht gestellt, den Führerschein zu bezahlen, wenn er die Zwischenprüfung gut schafft. Dann kann er für die Radstation fahren und es verbessern sich natürlich später auch seine Chancen auf eine Stelle.
Das Leben läuft gut für Christian. Erfolgserlebnisse haben Erfahrungen des Scheiterns abgelöst. Die überbetriebliche Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur erwies sich als ungeeignet. "Ich war zu oft krank, hatte häufig Migräne", sieht er selbstkritisch. Andererseits sei er aber auch nicht gefordert worden, habe oft zwei bis Stunden rumgesessen. In der Abendschule, die er danach parallel zu seinem Ein-Euro-Job besuchte und von der er erst nachts um 23.30 Uhr aus Dülmen zurückkehrte, wurde seine Klasse aufgelöst, weil zu viele Schüler wegblieben. mehr
Nadine wünscht sich, was sie nie kennengelernt hat. Mit sechs oder sieben Jahren, so genau weiß sie es nicht mehr, hat sie ihre Familie verlassen. Immer neue Heime und Pflegefamilien hat sie kennengelernt, nie hat sie es lange irgendwo ausgehalten. Mit 15 wurde sie schwanger. Heute ist sie 16 und hält ihren vier Monate alten Sohn Louis im Arm, „eine kleine Bombe, wenn er explodiert“, wie sie liebevoll sagt.
Ein Schreck auf den ersten Blick, so früh ein Kind, soviel Verantwortung. Ihr Sohn scheint Nadine aber das zu geben, was sie lange gesucht hat: Halt und eine Perspektive im Leben. Allerdings noch mit starker Unterstützung. Sie wohnt jetzt im Appartmenthaus des Sozialdienstes katholischer Frauen in Ahlen. Dort können bis zu sieben junge Schwangere und Mütter aufgenommen werden, um sich auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten. Hier kann und will Nadine so lange bleiben, bis sie sich sicher ist, auf eigenen Beinen stehen zu können. mehr
Als die Tür der Gruppe 2 im Martini-Stift hinter ihm abgeschlossen wurde, konnte Alex vor dem Leben nicht mehr weglaufen. Im Gymnasium schwänzte er den Unterricht und hing lieber mit Bekannten auf der Straße herum. Der Streit in seiner Familie in Duisburg wurde mit 14 unerträglich. Alex kam ins Heim nach Ahlen, aber dort „habe ich mich selber entlassen“, erzählt er. In Berlin lebte er auf der Straße, verpflegte sich in der Bahnhofsmission, übernachtete im Sleep in, nahm Drogen.
Alex hatte Angst, über die Kante abzurutschen, brauchte Schutz vor sich selbst und Halt. Mit 16 wurde er in eine der vier geschlossenen Gruppen im Martini-Stift in Nottuln-Appelhülsen mitten im beschaulichen Münsterland aufgenommen. Er sitzt auf seinem Bett in dem Zimmer, in dem er jetzt seit anderthalb Jahren lebt. Mit großen, bunten Postern hat er die Wände geschmückt, überschaubares, durchaus alterstypisches Chaos bedecken Schreibtisch und Sessel. Aber es fehlen Fernseher und Computer. Und ein Handy ist auch nicht erlaubt, sagt er.
Dafür gibt es strenge Regeln, bildlich gesprochen ein am Anfang ganz eng geschnürtes Korsett, das nach und nach Haken für Haken gelockert wird. In den ersten Wochen beschränkt sich die Bewegungsfreiheit auf Zimmer und Gruppenräume. Dann erweitert sich der Radius bis zur Sporthalle und später auf das weitläufige Gelände des Kinder- und Jugendheims, landschaftlich schön aber zwei Kilometer vom nächsten Dorf entfernt gelegen. mehr
