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Beate Evers
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Dokumentation - Fachtagungen  

Auf der Suche nach einer Seele Europas

Europa-Forum 2007 der Caritas in NRW: Gewachsene soziale Strukturen erhalten und weiter entwickeln

Die ersten Schritte sind getan, der Weg aber noch weit von der Wirtschaftsunion zu einem sozialen Europa. Auf dem Europa-Forum 2007 der Caritas in NRW am 22. und 23. August konnten deutliche Fortschritte festgestellt erden, seit der ersten Konferenz vor vier Jahren.

Wenn Europa für die Menschen Hoffnung und Zukunftsperspektive sein solle, brauche der Binnenmarkt eine sozialpolitische Flankierung, forderte Caritas-Präsident Dr. Peter Neher: "Wir sind immer noch auf der Suche nach einer Seele Europas". Aus Sicht der Caritas müssen die in Deutschland gewachsenen sozialen Strukturen erhalten bleiben und fortentwickelt werden.

In Redebeiträgen und Presseinformationen dokumentieren wir das Europa-Forum.

Presseinformationen

22. August 2007: Caritas: Europa muss sozialer denken

Europaforum der Caritas in NRW in Münster/Freiwillige Engagement wird größere Rolle in einem sozialen Europa spielen

23. August 2007: "Wir sind immer noch auf der Suche nach einer Seele Europas"

Caritas-Präsident Neher auf Europatagung: Wachstum und Wohlstand nur auf sicherer sozialer Grundlage möglich

Redebeiträge

22. August 2007

Eröffnung durch Volker Odenbach, Direktor des Caritasverbandes für das Erzbistum Paderborn

Volker Odenbach am Rednerpult
Volker Odenbach

Die politische Gestalt Europas muss "immer wieder erneuert werden", erklärte Volker Odenbach, Paderborner Diözesancaritasdirektor und Sprecher der Diözesancaritasverbände in NRW. Die Caritas wolle sich aktiv an der Mitgestaltung der Rahmenbedingungen beteiligen. Bei aller Anpassung an europäische Normen müsse dabei an dem in Deutschland bewährten Subsidiaritätsprinzip, nach dem der Staat soziale Aufgaben an freie Träger delegiere, erhalten bleiben. Einer Weiterentwicklung in einem gemeinsamen europäischen Rahmen werde sich die Caritas allerdings nicht verweigern.

Soziale Wirklichkeit in Europa - Roger Liddle, EU-Kommission, Brüssel

Roger Liddle am Rednerpult
Roger Liddle

Europas Bürger sind im weltweiten Vergleich glücklich, aber blicken sorgenvoll in die Zukunft. Das hat Roger Liddle, Berater für die EU-Kommission in Brüssel, in einem Bericht über die Soziale Wirklichkeit in Europa festgestellt. Für diesen scheinbaren Widerspruch gibt es Gründe. Vielen geht es gut, aber Globalisierung und demographischer Wandel bedrohen den Wohlstand. Um deren Folgen abzufedern muss aus seiner Sicht Europa sozialer denken und nicht mehr einseitig ökonomisch.

Das Soziale in Europa - Geschichte und Modelle - Andrej Stuchlik, Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin

Andrej Stuchlik am Rednerpult
Andrej Stuchlik

Dass sich die soziale Dimension des europäischen Staatenbundes nur langsam entwickelt, führte Andrej Stuchlik von der Freien Universität Berlin unter anderem darauf zurück, dass Sozialpolitik ursprünglich nur als Flankierung der Wirtschaft gedacht war, damit sich der Markt ungehindert entfalten könne. In einem historischen Rückblick zeigte Stuchlik jedoch auf, dass die Sozialpolitik zunehmend von der EU in den Blick genommen werde. Ein Indiz dafür sei, dass im Vertrag von Nizza im Jahr 2000 soziale Grundrechte erstmals verankert worden seien.

Die Befähigungsinitiative der Caritas - ein Beispiel für Modernisierung und Anwaltschaft - Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Freiburg

Peter Neher am Rednerpult
Peter Neher 

Die Mitgestaltung europäischer Sozialpolitik sieht Caritas-Präsident Neher als "Teil des anwaltschaftlichen Engagements" seines Verbandes. Ein Ziel sei es, die Vorteile des deutschen Systems mit der Delegation sozialer Aufgaben an die Freie Wohlfahrtspflege in Brüssel zu erläutern. Sozialpolitik dürfe dabei nicht Teil der Wirtschaftspolitik bleiben, sondern müsse ein eigenständiges Politikfeld werden. Denn "Wachstum und Wohlstand sind nur möglich, wenn die sozialen Grundlagen gesichert sind".



23. August 2007

Sozialdienstleistungen in Europa - als Teil des Wettbewerbs? - Mathias Maucher, Obsvervatorium für die Entwicklung der sozialen Dienste in Europa, Frankfurt

Konsequenzen für die Caritas in NRW - Heinz-Josef Kessmann, Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Münster

Heinz Josef Kessmann am Rednerpult
Heinz-Josef Kessmann

Seit dem ersten Europaforum der Caritas 2003 ist eine deutliche Entwicklung in diese Richtung festzustellen, bilanzierte der Münsteraner Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann zum Ende des zweitägigen Treffens im Fortbildungszentrum des Diözesancaritasverbandes Münster. An der Gestaltung der Sozialpolitik in Europa wolle die Caritas mitarbeiten und sei hier offen, "aber wir wissen auch, was wir an den Strukturen in Deutschland haben", kündigte Kessmann die Verteidigung notwendiger nationaler Standards im Interesse der hilfebedürftigen Menschen an.