
Dr. Ulrich Thien
Referatsleiter Soziale Arbeit
Caritasverband für die Diözese Münster
Kardinal-von-Galen-Ring 45
48149 Münster
Telefon 0251 8901-296
Telefax 0251 8901-4288
E-Mail: thien@caritas-muenster.de
Existenzunterstützende Hilfe für arme und ausgegrenzte Menschen
Caritas steht zu ihrer Verantwortung und kritisiert Almosen
Suppenküchen, Kleidershops, Möbelhäuser, Tafelläden, Warenkörbe, Lebensmittelgutscheinausgaben und Sozialkaufhäuser sind in
den vergangenen Jahren an zahlreichen Orten neu entstanden. Kennzeichnend für all diese Angebote ist, dass sie Menschen existenzunterstützende
Hilfen anbieten, die von Armut und Ausgrenzung betroffen sind.
Alle Bürger sollen am gesellschaftlichen Leben und an den vorhandenen Gütern und Dienstleistungen teilhaben können. Armut
und Ausgrenzung sollen vermieden werden. Notwendig ist daher die kritische Auseinandersetzung mit den Soforthilfe-Aktionen
aus Barmherzigkeit einerseits und der Verantwortung des Sozialstaats für die von Ausgrenzung betroffenen Menschen andererseits.
Kirche und Caritas, engagierte Christen und Initiativen sehen sich in der Verantwortung für Menschen, die in existenzielle
Not geraten sind. Sie engagieren sich beim Aufbau und beim regelmäßigen Betrieb existenzunterstützender Angebote. Diese Angebote
boomen, weil immer mehr Menschen von Armut betroffen sind und weil die staatlichen Hilfeleistungen nach den Sozialgesetzbüchern
(SGB II und SGB XII) den monatlichen Bedarf, insbesondere wegen des enormen Anstieges der Lebenshaltungskosten, nicht mehr
decken.
So gibt es derzeit in Nordrhein-Westfalen allein in Trägerschaft von Caritas und Kirchengemeinden etwa
- 110 Suppenküchen
- 10 Sozialkaufhäuser
- 250 Kleidershops
- 70 Möbelshops
- 150 Tafeln/Warenkörbe
- 80 Ehrenamtliche Sozialbüros
- 500 Ausgabestellen von Lebensmittelgutscheinen
(Stand: August 2007, eigene Umfrage, Zahlen zum Teil hochgerechnet)
Diese Hilfen sind notwendig, weil die Bedürftigen auf sie angewiesen sind - und bleiben doch Almosen. Auf sie angewiesen zu
sein ist zu wenig, um ein Leben in Würde zu führen. Zu einem menschenwürdigen Leben gehören auch die angemessene Versorgung
in zentralen Lebensbereichen wie Wohnung, Gesundheit, Bildung, Transport und Kommunikationsmöglichkeiten sowie soziale Sicherheit
und Rechtsschutz.
Da bisher keine vernünftige Datenlage über das Ausmaß existenzunterstützender Angebote in den fünf Diözesen in Nordrhein-Westfalen
besteht, haben die Diözesancaritasverbände eine Untersuchung bei der Forschergruppe-Tafelmonitor unter Leitung von Prof. Selke,
Furtwangen, in Auftrag gegeben. Daraus sollen Ideen und Vorschläge entwickelt werden, wie gemeindliche und caritative Träger
sich zukünftig aufstellen können, um konkrete Schritte von der Almosenfürsorge zur Armutsbekämpfung einzuschlagen.
