Die Christliche Werkstatt

Das Titelblatt einer Broschüre zeigt eine Ansammlung von Werkzeugen.

Caritas, das ist Kirche mitten im Leben. Vom Selbstverständnis engagiert und professionell in Beratung, Lebenshilfe, Erziehung, Gesundheitswesen und Bildung, ob in der Pfarrgemeinde, verbandlich oder in der internationalen Hilfe. Aber Caritas ist auch pastoral.

Das zeigt die Handreichung „Caritas pastoral, spirituell und religiös gebildet“. Mit über vierzig Anregungen und Modellen aus den fünf Bistümern Nordrhein-Westfalens bietet der „Facharbeitskreis NRW für christliche Grundlagen und Profil in der Caritas“ einen vielfältigen Einblick in die caritaspastorale Werkstatt.

Reich bebildert eröffnet die Handreichung einen Zugang zur christlichen Kulturwerkstatt mit ihren vielfältigen spirituellen, pastoralen und theologischen Formaten, die caritativ Tätige in ihrer Haltung, Fachlichkeit und ihrem konkreten Dienst unterstützen.

Die Handreichung steht als e-Book und Download zur Verfügung unter www.caritasnet.de oder www.caritas-nrw.de.

Sie kann auch in gedruckter Form bestellt werden beim

Caritasverband für die Diözese Münster
Dr. Boris Krause
Kardinal-von-Galen-Ring 45
48149 Münster

oder per E-Mail an krause@caritas-muenster.de.

 

Spiritualität

Caritas ist Kirche

 Das Foto zeigt eine Dünenlandschaft und im Hintergrund das Meer. 

Die soziale Arbeit der Caritas hat damit eine spirituelle Dimension. Fachliche Methoden und Ansätze unterscheiden sich im Alltag nicht von denen anderer Wohlfahrtsverbände und Organisationen. Aber die Arbeit geschieht aus der christlichen Grundhaltung heraus.

Sie spiegelt sich beispielsweise im ersten der sieben Leitsätze der Caritas in der Diözese Münster wider: "Wir nehmen Menschen an, wie sie sind. Die Mitarbeiter möchten wir mit einer Reihe von spirituellen Angeboten unterstützen, ihren Glauben mit der täglichen Arbeit gut verbinden zu können und aus ihm immer neue Kraft zu schöpfen. Eine 2011 gegründete "Arbeitsgruppe Spiritualität" hat dazu mehrere Ideen erarbeitet wie die einmal monatlich im Diözesancaritasverband gestalteten Morgenmeditationen unter dem Titel "Moment mal", die die Mitarbeiter für eine halbe Stunde zum Innehalten einladen.

"Moment mal" ist auch der Titel der 2012 begonnenen Reihe monatlicher Impulse. Den aktuellen finden Sie jeweils auf unserer Startseite, die früheren dokumentieren wir hier:

Impulse 2017

Juli 2017 - Suche Frieden

Das Foto zeigt einen Stein mit der Inschrift 'Wir verweigern uns Feinde zu sein' hinter einem Zaun.

Das aus Juden, Muslimen und Christen bestehende Friedensdorf Neve Shalom - Wahat al Salam, auf halber Strecke zwischen Tel Aviv und Jerusalem gelegen, wird fünfzig Jahre alt. Das Dorf zieht "Zwischenbilanz" mit einer Erklärung an Israels Politik und Armee: "Fünfzig Jahre und jetzt raus. Beendet die Besetzung!"

Die jüdischen und palästinensischen Friedensdorf-Bewohnerfamilien haben sich verbunden mit der jüdischen Friedensinitiative Machsomwatch, also den "Checkpoint-Beobachterinnen", und weiteren vierzig israelischen Friedensorganisationen. Die Bilanz fällt traurig aus: "Palästinas Traum von der Unabhängigkeit wird immer blasser. Frieden und Sicherheit, von beiden Völkern herbeigesehnt, schwinden in dem Maße, in dem die Besatzung grausamer und gewalttätiger wird. Der Friede, den beide Völker suchen, schreit danach, endlich leben zu dürfen." Besucher sind nach Aussagen von Ruben Maskovitz, Mitgründer des Friedensdorfes, in Neve Shalom ausdrücklich willkommen.

Bruno Hussar, geboren am 5. Mai1911, gestorben am 8. Februar1996, israelischer Gründer von Neve Shalom. Er wurde als Sohn jüdischer Eltern, die die französische Staatsangehörigkeit besaßen, in Kairo geboren. In Frankreich absolvierte Hussar zunächst ein Ingenieur-Studium. Während seiner Studienzeit in Frankreich konvertierte er 1935 vom Judentum zum katholischen Glauben und beschäftigte sich mit Theologie. Er trat dem Dominikaner-Orden bei. 1950 wurde er zum Priester geweiht. Ab 1960 betreute er als katholischer Seelsorger die hebräisch-sprechenden katholische Gemeinde in Jerusalem. Das Zusammenleben unterschiedlicher Religionen in Israel ließ bei ihm den Wunsch nach Annäherung und tiefer gehenden Verständnis für die Unterschiedlichkeit der großen Weltreligionen entstehen. Schließlich pachtete er ein Stück Land auf einem Hügel, der bis 1967 Niemandsland war, in der Nähe von Latrun, zwischen Jerusalem und Tel Aviv. Dort gründete Bruno Hussar 1970 mit einigen Freiwilligen die Siedlung Neve Shalom (Wahat al Salam). Nach seiner Vorstellung sollte die Siedlung ein Dorf sein, in dem Christen, Juden und Muslime trotz unterschiedlicher Religionen gemeinsam miteinander leben, in Respekt und gegenseitiger Achtung.

Domkapitular Josef Leenders
Vorsitzender des Caritasverbandes für die Diözese Münster

Pfingsten als Flashmob

Das Foto zeigt verschwommen eine vorbeifahrende Straßenbahn in Berlin.

Im künstlichen Licht senken sich Blicke auf Handys, einige Fahrgäste schotten sich von der Außenwelt durch Musik über Ohrenstöpsel ab, manche warten einfach nur auf‘s Erreichen der Zielstation und starren herum.

Interessant wird es ja immer, wenn solche Routinen durchbrochen werden, durch überraschende Geschehnisse, etwa dadurch, dass sich Musiker unter die Leute mischen und spontan eine musikalische Komposition darbieten. So geschehen vor einiger Zeit in der Metro von Kopenhagen: Aus dem Nichts spielt ein Orchester die "Morgenstimmung" von Peer Gynt, beginnend mit der Querflöte, nach und nach gefolgt von den übrigen Instrumenten, bis schließlich das Stück durch das ganze Ensemble erklingt.

Und währenddessen passiert es: Es wirkt so, als würden die Seelen der Fahrgäste plötzlich aus einem Schlaf erwachen. Man sieht Tränen in den Augen einer älteren Dame, das strahlende Lächeln einer jungen Frau, ein Baby mit verträumtem, verweilendem Blick und einen Mann, der plötzlich zum Dirigenten wird.

Was diese Metro-Szene zeigt: Jenseits des tagtäglichen Einmaleins können Menschen in sich eine besondere Kraft der Inspiration erleben, die nicht nur ein Empfangs-, sondern auch ein Erkenntnisprozess ist: Leben ist weitaus mehr als Routine.

Das muss auch die Erfahrung an Pfingsten gewesen sein, bei dem nicht die Melodie eines menschlichen Meisterwerkes, sondern ein göttliches Feuerwerk mit regnenden Feuerzungen die versammelten Menschen geradezu "flashte", mit Geist erfüllte und dazu inspirierte, die christliche Hoffnungsbotschaft in die Welt zu tragen (Apg 2).

Mit offenen Augen und Ohren sind auch kleine Inspirationen jederzeit möglich, in der Metro, auf der Straße, im Supermarkt. Wenn Du gerade am Rechner sitzt, fühl Dich für zwei Minuten frei, es selbst zu erleben: https://www.youtube.com/watch?v=gww9_S4PNV0

Dr. Boris Krause

Theologischer Referent im
Caritasverband für die Diözese Münster%%

Mai 2017 - Carpe diem?

Das Foto zeigt ein Scrabble-Spiel, auf dem in der Mitte die Schruft 'Carpe diem' erscheint.

Er gab mir die Hand und lächelte. Was sagt man in so einem Augenblick? Auf Wiedersehen? Gute Reise? Hast du Angst? Ich sagte nichts. Und lächelte zurück. Es war ein friedlicher Moment. Der auf der Trauerfeier zitierte Psalm 90:12 hallte lange nach:

"Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."

Diesen Satz empfand ich plötzlich als Tor zur "Fülle des Lebens": Als Mahnung, das Leben bis zur Neige auszukosten und zu genießen. Ausgerechnet in diesem "end-gültigen" Wissen, dass nichts ewig währt, offenbarte sich mir der Schlüssel zur Freiheit; das Leben ist keine Generalprobe - es passiert im Hier und Jetzt! Das sprichwörtliche Carpe Diem, genieße den Tag, ist da schon zu weit gefasst. Carpe punctum trifft es besser: Genieße den Augenblick. Denn jeder einzelne davon ist kostbar. In einem bewussten (also klugen!) Leben gibt es - dank der ihm innewohnenden Vergänglichkeit - nichts Gewöhnliches oder Alltägliches.

Einen interessanten Austausch zu "meinem" lebensverändernden Psalm habe ich auf gutefrage.net gefunden. Ein User namens schokocrossie (ich vermute, er ist bereits ein Genießer; gut für ihn!) fragte hier nach der Bedeutung des Psalms. Der User 2012infrage antwortet ihm:

"Auf dass wir klug werden und das Leben schätzen. Vielleicht ist das gemeint? Denn die meisten Menschen wissen zwar, dass sie iiiirgendwann mal sterben müssen, aber sie glauben nicht wirklich daran.

Die meisten Menschen leben das Leben, als ob es ewig dauern würde.

Wenn Dir also wirklich bewusst ist, dass Du eines Tages stirbst (und wer weiß schon, wann das sein wird), dann macht das allein Dich schon zu einem klugen Menschen, da Du Dein Leben anders leben wirst."

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Mai mit viiiiielen kostbaren Augenblicken!

Claudia Weiss
Caritasverband Duisburg, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation

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April 2017 - Im Regen tanzen

Das Foto zeigt eine weite Wiesen- und Felderlandschaft mit einzelnen Bäumen im Sonnenschein, darüber ein Regenbogen gespannt vor einer dunklen Wolke

Dabei ist mir aufgefallen, dass diese Worte oftmals dann ausgesprochen werden, wenn sich der April von seiner stürmischen Seite zeigt, woraufhin sich dann Viele darüber aufregen und davon genervt sind. Natürlich ist es unschön, wenn einige Menschen gerade mitten in einen heftigen Graupelschauer geraten und dann sehr ärgerlich über dieses Wetter im April schimpfen.

Doch ist es nicht oft so, dass manchmal nur nach wenigen Minuten die Sonne zaghaft hinter den dunklen Wolken hervorlugt? Und bei ganz viel Glück, ist dann sogar noch ein farbenfroher Regenbogen am Himmel zu bestaunen. Abgesehen von der Vielfältigkeit des Wetters (Regen, Graupel, Schnee, Wind, Sonne uvm.), was uns zum Teil hochsommerliche Temperaturen bietet, aber auch noch frostig kalte Nächte bereit hält, gibt es da noch diese zahlreichen Wunder in der Natur.

Wenn sich die ersten Knospen noch ganz vorsichtig unter der Schneedecke ihren Weg freibahnen. Wenn sich sogar schon vereinzelt einige Blüten an den Ästen vorbereiten, um uns ganz bald in ihrer vollen Pracht, viel Freude zu bereiten. Oder die leuchtend bunten Tulpen, die stolz und standhaft ihre farbenfrohen Blütenköpfe in die Luft strecken.

In den Wäldern geht es geschäftig zu. Die Tiere erwachen aus dem Winterschlaf, die Vögel ziehen aus den südlichen warmen Ländern zurück in unsere deutschen Gefilde. Es werden fleißig Nester gebaut, um noch mehr Leben zu schenken. Die Welt wird wieder ein ganzes Stückchen bunter und lebendiger.

So sollten wir doch das nächste Mal, wenn uns erneut einer dieser stürmischen Regenschauer nass macht, fröhlich die Kapuze aufsetzen und im Regen tanzen.

Halten Sie doch einfach mal bei Ihrem nächsten Spaziergang Ihre Augen noch ein Stückchen weiter offen und atmen Sie den Duft der erwachenden Natur ein, um diese Lebendigkeit mit in Ihren Alltag zu nehmen. Frei nach dem Motto, welches auf meinem Kalenderblatt April steht: „Sei wetterfest und lächle an allen Tagen dem Leben zu."

 

Cornelia Kettermann

Erzieherin im Familienzentrum St. Clemens, Münster-Hiltrup
connykettermann@gmx

März 2017 - 2000 Jahre später

Das Bild zeigt einen stilisiertes Porträt von Jesus in grellen Farben.

Also sagen die einen: nach dem, was sie gesehen und gehört haben - er ist ein Prophet. Die Anderen gehen noch einen Schritt weiter und sagen er ist der Messias. Aber wo Begeisterung ist, da ist meist auch Skepsis. Deshalb sagen wieder andere: Wenn unsere heiligen Schriften recht haben, dann kann der Zimmermannssohn auf keinen Fall der Messias sein, weil wir ja seine Verwandten und Bekannten kennen.

Wo jemand so zum öffentlichen Interesse wird, da ist er den Machthabern der Zeit meist schnell ein Dorn im Auge. Sie wollen es sich nicht länger gefallen lassen, dass er ihre Autorität untergräbt. Sie schreiten ein, aber gleichzeitig wollen sie sich selbst nicht die Hände dreckig machen. Sie schicken Diener los, doch die kommen mit leeren Händen zurück. Mehr noch, sie sagen: "Wir haben noch nie erlebt, dass ein Mensch so gesprochen hat." Jetzt greifen die Machthaber zu einem Rundumschlag: Sie machen Jesus einfach in der Öffentlichkeit schlecht.

Und heute - 2000 Jahre später - bleibt dieselbe Frage: Wer ist dieser Jesus? Diese Frage lässt sich nicht am "grünen Tisch" beantworten. Sie lässt sich auch nicht dadurch beantworten, dass ich aufzähle, was Jesus alles getan hat. Eine echte Antwort auf die Frage bekomme ich nur, wenn ich mich mit ihm einlasse. Es geht nicht darum, etwas über Jesus zu wissen, sondern mit ihm zu leben. Dazu lädt die Fastenzeit uns ein. Vielleicht ist dies eine gute Gelegenheit Jesus wieder einmal zu entdecken, in seinem Leben, in seinem Sterben und in seiner Auferstehung. Hoffentlich gelingt es Ihnen, sich darauf wieder einmal einzulassen. Für mich ist dies stets ein Gewinn und ich glaube fest daran: Auch für Sie!

Ulrich Messing
Pfarrer St. Marien und St. Josef, Münster

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Februar 2017 - Wie Kinder sein

Das Foto zeigt ein Dreirad und ein Kind darauf von hinten bis zum Bauch.

Nach einer Weile steigt ein Mann in den Zug und nimmt schräg gegenüber Platz. Er ist ein Fremder, ganz sicher kein Einheimischer, vermutlich ein Geflüchteter, von denen es viele in der Region gibt. Die Blicke des Vaters und die des Fremden treffen kurz aufeinander, zerstreuen sich aber wieder.
Der Zug fährt weiter. Nach einiger Zeit fängt das Mädchen an zu kichern. Der Vater ist erstaunt. Der fremde Mann macht lustige Grimassen, und sie findet es offensichtlich amüsant. Auch die anderen Fahrgäste bekommen allmählich ihren Spaß, weil das Kichern der Kleinen sich so lustig anhört. Und schließlich muss auch ihr Vater mitlachen. Es entwickelt sich eine heitere Atmosphäre im Abteil.
Das Eis ist gebrochen. Der Mann fragt die Kleine schließlich nach ihrem Namen, ihrem Alter und ob sie schon zur Schule gehe. Sie erzählt ihm vom sich - und noch viel mehr, auch von ihren Erlebnissen auf dem Jahrmarkt. Es ist ein netter Plausch mit Djadi, der, wie sich herausstellt, vor einem knappen Jahr in Deutschland Zuflucht gefunden hat.
Die Fahrtzeit vergeht wie im Flug. Vater und Tochter müssen an der nächsten Station aussteigen. Djadi sagt: "Ich danke Ihnen. Ich spreche so gern mit Kindern!" Der Vater entgegnet überrascht: "Nichts zu danken." Und spontan setzt er nach: "Warum mit Kindern?" Djadi hält inne. Nach einem kurzen Moment antwortet er: "Weil Kinder mit mir sprechen."
Diese Begebenheit, Rene Borbonus berichtet von ihr, ist bewegend und vielsagend. Sie zeigt, welche Horizonte sich öffnen können, wenn wir unbefangen und arglos sind, wie Kinder, die - mehr oder weniger - noch in uns wohnen.
"Lass uns wie Kinder sein, unbeschwert und naiv, frei von gestern sein, spontan und aktiv", heißt es in einem Lied. Wie bereichernd es heute wäre, dies probieren, also Rollen abzulegen, die inneren Blockierer verstummen zu lassen und aus den üblichen Rahmen auszubrechen. Es wird Zeit, Karneval zu feiern.

Dr. Boris Krause
Theologischer Referent im Caritasverband
für die Diözese Münster

Januar 2017 - Mit leeren Händen...

Eines meiner Lieblingslieder:

Ich steh vor dir mit leeren Händen Herr … !

Ein Satz, einfach und klar, ohne jeden theologischen Schnörkel. Das ist für Menschen, die in unserer Gesellschaft erfolgreich sein wollen (müssen?) eine Zumutung. Wird schon nicht so gemeint sein? Und doch, mit oder ohne Überlegung, innerem Widerstand oder im zweifelndem Wissen um diesen Satz - wir singen diese Zeile manchmal im Gottesdienst (GL 422).

Das Foto zeigt drei Hände, die vor dem Hintergrund eines leicht bewölkten Himmels eine imaginäre Kugel umfassen.

Wofür dann der Einsatz oder gar die Plackerei in Schule, Ausbildung, Studium, Beruf - wenn wir am Ende sagen müssten: Ich steh vor dir mit leeren Händen Herr!

Wir werden zurückgeworfen auf das Wesentliche und stehen "gleichsam nackt" vor Gott: Ohne unsere wahrscheinlich hart erarbeiteten materiellen Möglichkeiten ("mein Haus, mein Auto, mein Pferd" oder ähnliches); ohne unsere erworbenen Schul- und Hochschulabschlüsse, unsere Zertifikate, unsere abgeschlossenen Fortbildungen, Gesellen-, Meister-Doktoren- oder Professorentitel! Auch ohne kirchliche Amts- oder Würdentitel!

Ich steh vor dir mit leeren Händen Herr!

Was für eine Zumutung! Was also hätte ich - gleichsam nackt vor meinem Gott - vorzuweisen, in die Schale der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu werfen?- Er wüsste es bereits und auch ich hätte eine Ahnung davon, ob ich wirklich mit leeren Händen und vor allem mit leerem Herzen vor ihm stünde. Wir wissen eigentlich worauf es ankommt - wenn er kommt! Eigentlich …

Dr. Bernhard Hülsken

Referent im Caritasverband für die Diözese Münster
huelsken@caritas-muenster

Impulse 2016

Dezember 2016 - Hand-Fest Weihnachten

Das Foto zeigt eine Familie mit Migrationshintergrund mit einem Caritas-Mitarbeiter, die in einem Wohnzimmer sitzt.

"Damals war Quirinius Statthalter von Syrien"..... und "es war kein Platz in der Herberge".... das hören wir in den kommenden Wochen wieder in oft feierlichem Ton als Weihnachtsevangelium in den Gottesdiensten. Für mich ist das alles ganz nah.

Menschwerdung beginnt da, wo wir Menschen leben lassen. Wo wir Räume öffnen, Herberge geben, Dinge tun, die uns "normalerweise" nicht in den Sinn kommen würden. Wer hätte gedacht, dass in ein Pfarrhaus mal moslemische Syrer einziehen.

"Dein Gott ist gut. Das spüre ich" - hat Maher einmal zu mir gesagt. Damit gibt er nicht seine Religion auf. Das heißt nicht, dass er sich morgen taufen lassen will. Aber es zeigt: wir haben etwas anzubieten: die Menschlichkeit unseres Gottes - durch uns.

Und das ist mehr als jeder Plan. Das ist mehr als jede Ober-, Unter-, oder Mittelgrenze. Die Menschlichkeit unseres Gottes wird "hand-greiflich" und sichtbar in Jesus. Deshalb ist Weihnachten ein Hand-Fest.

Maher, Bethoul und die beiden Kinder geben mir herzlich die Hand - und ich ihnen auch. Mit den Händen verändern wir die Welt. Im Tun.

Weihnachten ist ein Hand-Fest. In diesem Sinne: packen wir’s an !

Stefan Ricken
Mitarbeiter Gemeindecaritas im Caritasverband Duisburg
Katholische Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist in Duisburg-Homberg
stefan@ricken-homberg.de

November 2016 - 45 Cent für ein hohes Gut

Das Foto zeigt ein bizarr gewachsenen Babobab-Baum in einer trockenen Landschaft.

Wenn ein Elefant sie dann frisst und wieder ausscheidet, geht die Saat immer noch auf und wächst zu einem neuen Baum heran. Das nenne ich mal eine lange Keimruh-Zeit und ein stattliches Ergebnis.

Es gibt ja die verschiedensten Keim-Mechanismen: Die einen benötigen Licht, die anderen gerade die Dunkelheit, weitere Kälte, die nächsten konstante Wärme... Feuer-Keimer brauchen erst einen Brand, um optimale Wachstumsbedingungen zu haben! Ob ich auch eine Art Feuer-Keimer bin?!

Was braucht der Mensch? Säuglinge sollen in einem Experiment unter dem Hohenstaufen Kaiser Friedrich des II. nach kurzer Zeit gestorben sein, weil sie "nur versorgt" wurden, aber aufwuchsen, ohne die Gelegenheit zu bekommen, eine enge und von intensiven Gefühlen geprägte Beziehung aufbauen zu können ….

Nährstoffe allein reichen dem menschlichen Dasein also nicht... Es bahnt sich die Frage den Weg in mein Bewusstsein: WELCHE BEDINGUNGEN SIND FÜR MICH IDEAL, DAMIT ETWAS, DASS SCHON LANGE IN MIR "KEIMT", (endlich) WACHSEN KANN

Kennen Sie auch diese "Man müsste mal wieder...!" oder "Ich wollte schon immer ´mal..." Und spüren Sie auch den unaufgeräumten Dachboden oder Keller im Nacken? Was ist Ihr wartendes Projekt, das Baumarkt-Melodien summend in Ihnen schlummert? … ♪ Jippyjaja-jippi-jiepi-jey! ♪

Und wie ich mich so frage, was ich wohl bräuchte widerhallt nur eine Antwort in mir: Zeit...ich bräuchte Zeit fernab von alltäglichen Anforderungen.

Sogleich spüre ich jedoch, dass dies auch nicht alles ist. Ich brauch den Mut, und ich muss meine Einfälle auch als wichtig erachten. Ich... Warum tummelt sich der Mut nur zwischen den Selbstzweifeln?

Aber dann fallen mir die Worte von Pfarrer Hans-Jürgen Kopkow vor die Augen. Wichtig sei erst mal nicht der Glaube an uns selbst, sondern der Glaube, der uns entgegen gebracht wird. Da ist es wieder: die Wichtigkeit eines wohlwollenden Gegenübers. Und Markus Kenn beschreibt: da gibt es ein Gegenüber bei dem es kein "geschlossen" gibt, kein Besetzt-Zeichen, kein "Startseite kann nicht aufgerufen werden!", das da ist, auch wenn sonst niemand für mich Zeit hat und unabhängig davon, ob es mir gut oder schlecht geht, eines bei dem man keinen Termin braucht... Ich weiß, wen er meint!

Die Ideen, die schon lange in mir keimen, wollen gar weiter Empor wuchern. Ich stehe auf und greife zum Stift, um eine Post zu schreiben. An eine seiner irdischen Stellvertreter. Eine liebe Sie, die hat gerade keine Zeit für mich hat wegen Kind, Arbeit, Haus und Hof, Krankheitsfälle in der Familie. Aber ich weiß, sie glaubt an mich. Und kriegt - wie von Zauberhand - dazu noch jedes Jahr einen selbstgebastelten Adventskalender für mich hin. Für das an-mich-glauben danke ich ihr auf einer schlichten Blumen-Postkarte. Und dann werde ich ruhiger; genieße einfach das Gefühl, dass verschiedentlich an mich geglaubt wird. Und plötzlich wird Sein für mich wichtiger als Tun. Eine Ruhe macht sich in mir breit, die meine innere Ungeduld verdrängt. Welch schönes Gefühl. Ich lächle.

Das ist es, was ich auch Ihnen wünsche: eine tiefe, innere Zufriedenheit, die zu einer kleinen, netten Postkarte führen kann. Übrigens das Porto hat sich nicht erhöht...

Marion Dobersek
Ehrenamtlich tätig in der Heimstatt Adolph Kolping e.V. in Solingen mariondobersek

Oktober 2016 - Der Titel Deines Buches

Das Foto zeigt eine Frau mit halb angeschnittenem Kopf, die ein Buch vor sich in den Händen hält.

Nicht überrascht hat mich derweil, dass Zeitknappheit heute eine Erfahrung aller Menschen ist. Und das gilt inzwischen nicht nur für den Bereich des Arbeitsplatzes, sondern auch im Privaten. Wird unsere Zeit tatsächlich knapper?

Der Soziologe Hartmut Rosa weist darauf hin, dass es objektiv gesehen eigentlich wenig Sinn macht zu sagen, wir hätten immer weniger Zeit. Denn der Tag hat ja nach wie vor 24 Stunden, 1.440 Minuten, 86.400 Sekunden … Vielmehr sei es doch eher so, dass das, was uns als Zeithunger begegnet, im Grunde nur eine Kehrseite der Tatsache ist, dass wir in der verfügbaren Zeit immer mehr "wollen". Empfundener Zeitmangel ist demnach also auch eine Art Aufgaben- und Selbsterfüllungsdruck.

Wir wollen offensichtlich viel. Und möglicherweise erreichen und bekommen wir auch viel. Doch was ist der "wirkliche" Gewinn des ganzen? Ist alles, was wir wollen, erfüllend?

Viele Menschen sind durchaus in der Lage, wie es Coaching-Guru Dieter Lange einmal formuliert hat, ihre anstehenden Ziele zu benennen, also - bildlich gesprochen - einzelnen Kapiteln im Buch des Lebens eine Überschrift zu geben. Ziele sind sinnvoll, sie liefern ein Wozu des Handelns. Doch letztliche Erfüllung, so wendet Lange ein, bringt ein Leben als Aneinanderreihung von Zielerreichungsepisoden freilich nicht.

Leben werde erst dann als gelingend empfunden, wenn noch etwas hinzukomme, nämlich die Kenntnis des "Titels" des Lebensbuches. Dieser Titel gebe der Story ihre Gesamtrichtung. Wer den Titel des eigenen Lebensbuches kennt, habe Selbsterkenntnis und damit die eigentliche Botschaft, was er/sie wirklich will und wie er/sie Leben gestalten kann.

Der Titel des eigenen Lebensbuches - ein interessantes Bild. Man könnte weiterfragen: Wie liest sich überhaupt ein Buch, dessen Titel man nicht kennt? Wann kreiert ein Autor den Buchtitel, bevor oder nachdem das Buch geschrieben ist? Und: Bin ich selbst überhaupt Autor meines Lebensbuches oder nur Leser?

Der Oktober liefert ein dienliches Ambiente, um diesen Fragen einmal nachzugehen. Er läutet schließlich die Jahreszeit ein, in der die Tage "kürzer werden" - und möglicherweise bei dem einen oder der anderen das Gefühl verstärken, unter erhöhtem Zeitdruck zu stehen.

Dr. Boris Krause
Theologischer Referent im Diözesancaritasverband
krause@caritas-muenster.de

September 2016 - Schau mich an!

Das Foto zeigt drei Rollups einer Ausstellung aufgereiht.

Die Menschen, die aufgrund von Kriegen und Verfolgungen um ihr Leben kämpfen und zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen werden, sind in unser aller unmittelbares Blickfeld gekommen. 2013 musste Papst Franziskus noch nach Lampedusa aufbrechen, um den Blick und die Aufmerksamkeit Europas auf die von aller Welt vergessenen leidenden Menschen zu lenken.

Der Philosoph Emmanuel Levinas, dessen Familie im Holocaust ermordet wurde, war davon überzeugt, dass es eine Not gibt, die mich im Blick auf den anderen unmittelbar angeht. Der Andere fordert Hilfe, der ich mich nicht entziehen kann. Das "Antlitz" des anderen Menschen, von dem Levinas in diesem Zusammenhang spricht, ist das mir zugewandte Gesicht des Menschen - offen, ungeschützt und damit verletzlich. Dieses "Antlitz" fordert bedingungslos und unmittelbar. Im Blick auf den anderen ist es kein Versehen mehr, wegzuschauen. Wir sind in unserer menschlichen Freiheit herausgefordert. Wegschauen heißt dann, so Levinas, den Anruf des anderen in den Wind zu schlagen und damit an seiner Vernichtung beteiligt zu sein.

Am Anfang der Geschichte des Volkes Israel mit Gott steht genau diese Erfahrung des Anschauens, es ist die entscheidende "Erfahrung Gottes": "Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und den Klageschrei gegen ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid." Die Gotteserfahrung im Angesicht des Anderen stellt uns vor die unvermeidliche Frage: Schaue ich den anderen an oder schaue ich weg.

Eine Initiative in der Flüchtlingsarbeit in Haltern am See trägt den Titel "Schau mich an - Gesicht einer Flucht!" Es handelt sich um eine Portraitreihe, die Menschen, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind und nun in unserer unmittelbaren Nachbarschaft leben, mit ihrem Gesicht, ihrer Geschichte und ihren Sehnsüchten uns vor Augen stellt. Neben Flüchtlingen, die im letzten Jahr zu uns kamen, sollen auch die Vertriebenen nach dem zweiten Weltkrieg, Menschen, die aus der früheren DDR zu uns geflohen sind, die Russlanddeutschen …. mit dieser Initiative in den Blick kommen.

Rupert Neudecks letztes Buch trägt den Titel "In uns allen steckt ein Flüchtling" - "Schau mich an!" ist eine Einladung an uns alle, sich anzuschauen, sich kennen zu lernen und so die Andersartigkeiten und die Gemeinsamkeiten eines jeden Menschen zu verstehen und an zu erkennen. Aufmerksamkeit zu schenken, vorurteilsfrei anschauen und zuhören ist der Schlüssel zu Frieden und Integration.

Die Ausstellung "Schau mich an - Gesicht einer Flucht!" wurde am 1. September im Rahmen des 100-jährigen DiCV-Jubiläums in Haltern am See eröffnet und kann bis zum 2. Oktober besucht werden. Infos und Kontakt zur Wanderausstellung mit 18 Roll ups und dazugehörenden Postkartensets sowie Plakaten: gesicht-einer-flucht@gmx.de

David Schütz
Gemeindecaritas, Caritasverband Haltern am See

 

August 2016 - Vom Urlaub zurück in den Alltag...

Das Foto zeigt einen Liegestuhl bei Sonnenuntergang am Strand.

Wir machen uns auf - verlassen vertraute Umgebungen: verlassen Trott und Routine, um in 50, 300, 1000 oder noch mehr Kilometern Entfernung aufzutanken oder abzuschalten. Es zieht uns in die Sonne, ans Meer, in die Berge, wir suchen Abenteuer oder Langeweile; uns reizt das Vertraute oder das Fremde.

Ferien, auf was freuen wir uns eigentlich? Was bedeutet Reisen und Urlaub für jeden einzelnen von uns? Ausspannen, Sommer, Sonne, Strand oder Berge - je nach Geschmack - leckere Eiscreme, ein gutes Glas Wein, tolle Abenteuer, Vergnügen pur und den Kopf ausschalten?

Dazu passt, dass Ferien im englisch sprachigen Raum "holidays" heißt: holy days: heilige Tage. Also heilige Tage zum Werden, zum Gesunden. Das Wort Urlaub kommt übrigens von "erlauben" - im Urlaub da können wir uns DAS erlauben, da sind wir frei!

In Felix Timmermanns Schelmenroman: "Pallieter" sitzt der Titelheld auf einem Zaun und schaut in den Himmel. Ein Nachbar fragt ihn: "Pallieter, was tust du?", und er antwortet: "Ich bin".

Einmal nichts tun und nur sein, nur erleben und nicht gleich wieder auf das nächste Ziel zugehen. Im Augenblick sagen zu können: "Verweile doch, du bist so schön!"

Das wieder zu erlernen, das wäre ein wunderschönes Urlaubsziel - auch nach jedem Urlaub!

Es geht also nach jedem Urlaub auch darum, sich neue Ziele zu suchen, wann auch immer sie erreichbar werden, aber sie in den Blick nehmen, darauf zu sparen, sich zu freuen, sich für ein Gelingen einzusetzen. Und warum soll es nicht auch mit leichterem Gepäck möglich sein?

Wäre es nicht super, wir würden uns auch im Alltag genügend Zeit für uns nehmen? Sozusagen jeden Tag frisches Wasser trinken und es nicht aufsparen für Urlaubszeiten? Dann könnte man den Urlaub auch so verstehen, dass er uns neue Impulse für den Alltag gibt, dass wir neue Lebensmöglichkeiten ausprobieren und sie dann mit nach Hause nehmen.

So eine Sehnsucht wünsche ich uns, denn sie ist spannender und verlockender als der schönste Urlaubsort.

Lena Dirksmeier

Lena Dirksmeier

Geschäftsführerin Caritas-Konferenzen Deutschland in der Diözese Münster
Referentin Gemeindecaritas im Caritasverband für die Diözese Münster

 

 

 

 

 

 

Reisetipp Nr. 1

Nutze das Fremde, das Neue und lass es nicht nur im Urlaub. Bringe mindestens eine neue Erfahrung in deinen Alltag mit zurück!

Reisetipp Nr. 2

Einmal in der Woche sollte der Mensch ruhen. Erledigt Eure Arbeit vorher und nicht im Urlaub!

Reisetipp Nr. 3

Setze dich gedanklich neben Gott in den Liegestuhl und betrachte die Schöpfung! Steige auf Berge und bewundere die Welt! Besuche andere Städte und Kulturen und freue dich an Gottes Vielfalt! Was auch immer deine Art ist, Urlaub zu verbringen: nutze die Zeit, um Gottes Schönheit zu entdecken und ihn mindestens einmal zu loben.

Juli 2016 - Bitte beachten!

Das Foto zeigt zwei Männer und einen Jungen mit Ball vor einem Schild an einer Mauer, dass faires Verhalten auf dem Fußballplatz anmahnt.

Juni 2016 - Gänseblümchenmenschen

Das foto zeigt vier Blüten von Gänseblümchen auf einem Rasen in Nahaufnahme.

Stehen doch seit Jahren von April bis Ende Oktober immer ein paar Gänseblümchen auf meiner Küchenfensterbank und in meinem Büro. Was fasziniert mich an dieser kleinen, unscheinbaren Blume?

Das Gänseblümchen wächst überall. An Straßen- und Wegesrändern, in den Parkanlagen der Stadt, auf fast jedem Rasen. Auch wenn es regelmäßig dem Rasenmäher zum Opfer fällt, kommt es wieder und erblüht mit neuer Kraft. Und es kommt in Scharen. Ein Gänseblümchen allein - sieht man selten. Wenn die Dämmerung beginnt, schließen sie ihre Blüten. Sie sind Sonnenkinder und öffnen sich wieder am nächsten Tag.

Andrea Schwarz schreibt in ihrem Buch: "Mir sind Gänseblümchen als Symbol wichtig geworden. Sie bedeuten mir viel: das Leben, das sich im schäbigsten Rasen, auf schlechtestem Boden mitten in der Stadt durchkämpft; das unvermutet im gepflegten englischen Rasen auftaucht; es ist ein Zeichen für die kleinen, unscheinbaren Alltäglichkeiten, an denen wir, von den scheinbar großen Dingen unseres Lebens gefangen, einfach vorbeilaufen. Sie sagen mir, dass jedes Gänseblümchen ein Wunder der Schöpfung Gottes ist, dass Gottes Größe sich winzig klein macht, Gott auch das Kleine, Unscheinbare liebt."

In einer Zeit, in der das Leistungsstreben in unserer Gesellschaft mit an erster Stelle steht, das Prinzip "höher, weiter, schneller" die Menschen immer wieder auf die Überholspur ihres Lebens bringt, ein schöner Gedanke: "Bück dich, Mensch! Schau auf die kleinen Dinge des Lebens. Halte an. Mitten im Alltag. Werde Gänseblümchenmensch!"

In der täglichen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Mitarbeitern können mir viele Gänseblümchenmomente begegnen - wenn ich sie wahrnehmen will: Den Stolz eines Kindes über den ersten eigenen Füller; die Freude einer Jugendlichen, am hauseigenen Klavier spielen und singen zu dürfen; die Erleichterung eines jungen Erwachsenen über die Zusage einer Praktikumsstelle; das Dankeschön eines Kollegen für einen gut gemeinten Ratschlag.

Gänseblümchenmomente lassen sich in jedem Alltag finden. Ändern wir unsere Blickwinkel, bücken wir uns. Die kleinen, scheinbar unwichtigen Dinge des Lebens liegen förmlich vor unseren Füßen.

Werden auch Sie Gänseblümchenmensch! Es lohnt sich.

Buchtipp: Andrea Schwarz, Ich mag Gänseblümchen, Verlag Herder Freiburg im Breisgau, 1985

Annette Wiesmann
Lehrerin im Heilpädagogischen und Psychologischen Dienst,
Leiterin des Arbeitskreises Religionspädagogik Caritas-Kinder- und Jugendheim Rhei

Mai 2016 - Sind Sie eigentlich glücklich?

Glücklich sein ist eine andere Dimension, eine andere Tiefe in der Frage.

Mir schwirrte die Frage so lange durch den Kopf, aber auch die "Behauptung" des Autoren, dass ich mich entschloss genauer hinzuschauen und mit den mir nahestehenden Menschen darüber ins Gespräch zu kommen.

Bei der Vorbereitung auf die Thematik ist mir ein Wissenschaftler besonders aufgefallen, der Erlanger "Glücksforscher" Karl-Heinz Ruckriegel.

Er formuliert 7 Ratschläge zum Glück.

  • Üben Sie Dankbarkeit.
  • Seien Sie optimistisch und vermeiden Sie negatives Denken. Optimistisch zu sein bedeutet, voller Zuversicht in die Zukunft zu blicken.
  • Vermeiden Sie Grübeleien und soziale Vergleiche. Neid und Glück passen nicht zusammen.
  • Stärken Sie Ihre sozialen Beziehungen. Wir sind soziale Wesen und daher auf andere Menschen angewiesen.
  • Lernen Sie zu vergeben, das schwächt negative Emotionen.
  • Leben Sie im Hier und Jetzt. Genuss und Flow schaffen Wohlbefinden, genießen Sie die Freuden des Lebens. Ständig daran zu denken, was morgen anders sein könnte, fördert das Glücklichsein nicht, sondern kann uns das Heute vermiesen.
  • Kümmern Sie sich um Leib und Seele. Sport für den Körper, das bringt unmittelbar Wohlbefinden, und die Beschäftigung mit etwas Tieferem, mit etwas, das über unser Ich hinausgeht, erdet uns.

In meinem letzten Beitrag zur Achtsamkeit habe ich Ihnen die Baum-Übung vorgestellt. Diese kann ich Ihnen nur wärmstens ans Herz legen.

Ich habe mir die sieben Ratschläge aufgeschrieben. Ich werde daran denken, wenn es mir mal nicht so gut geht.

Mit Worten des kürzlich verstorbenen Roger Willemsen will ich meinen heutigen kurzen Impuls beenden:

"Glück besteht darin, etwas weniger einsam zu sein"

 

Wolfgang Strubel

Einrichtungsleitung Haus "Am Aussenwall"

April 2016 - Ein Plädoyer für Ungehorsam

Das Foto zeigt einen Blick in einen sonnigen Himmel durchzartbelaubte Bäume durch

Ein wichtiges Anliegen war es für Jesus, dass Gesetze und Gebote den Menschen dienen - und nicht umgekehrt! Tiere dürfen auch am Sabbat gerettet werden! Und wer hungert, darf Früchte vom Feld holen!

Theorie? Sie erhalten vom Chef die Anordnung, dass niemand eine Extrawurst bekommt. Dabei wissen Sie genau, wie wichtig der Haferschleim für Frau M. ist. Sie machen ihn immer gegen 17 Uhr fertig.

Der Chef hat sie erwischt! Sie beschließen mit den Kolleginnen, dass Sie ungehorsam sind und jetzt immer heimlich den Haferschleim für Frau M. zubereiten.

Das ist im Sinne Jesu! Der Mensch steht im Mittelpunkt!

Der Begriff "gehorsam" bedeutet, hinzuhören. Das ist vor jeder ungehorsamen Handlung sehr wichtig. Wir sollten genau verstehen, was zum Beispiel diese Vorschrift meint. Deshalb sollten Sie gemeinsam Ihren Chef befragen! Bestimmt fallen Ihnen Beispiele ein!

So stiehlt die Bürokratie Zeit, die Sie brauchen für die anvertrauen Menschen! Wo kann die Kultur der Ungehorsamkeit helfen, die Menschenrechte zu pflegen?

Das Foto zeigt einen Mann mit weißem Vollbart, der Pfeife rauchend auf einem Balkon sitzt, im Hintergrund eine Berglandschaft.

Wilfried Leusing

 

Liebe Leserinnen und Leser,

dieser Text entstand wenige Tage vor dem Tod von Wilfried Leusing, der nach einer längeren Zeit des Lebens mit der Diagnose ALS kürzlich verstorben ist. In seinem beruflichen Leben war Wilfried Leusing lange Zeit Mitglied des Leitungsteams des Altenwohnheims St. Josef-Stift Emsdetten und Mitarbeiter des DiCV Münster. Mit seiner Leidenschaft für Sprache hat Wilfried Leusing den Texten der Rubrik "Moment-mal" seit etwa zwei Jahren bereichernde Impulse geschenkt. Die Caritaswelt verliert mit Wilfried Leusing nicht nur einen Pionier der sozialen Arbeit, sondern auch einen besonderen Menschen und begnadeten Autor mit kreativem Geist.

Dr. Boris Krause

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März 2016 - Gravitation vor Ostern

Impuls März 2016 Krause

 Auf den Forschungsdetektoren wurden endlich jene Schwingungen und Anziehungskräfte innerhalb unseres Universums angezeigt, die zwar nicht sichtbar für uns sind, die aber nachhaltig auf unseren Raum wirken.

Ganz schön verblüffend. Was sich alles in diesem gewaltigen Kosmos abspielt, der x-fach größer ist als wir selbst, in dem Dinge passieren, die die Vorstellungskraft übersteigen, geradezu „undenkbar“ sind.  Alles wirkt so gigantisch, dass man sich beim längeren Anblick des Sternenhimmels schnell sogar als bedeutungsloser Wimpernschlag in der kosmischen Evolution vorkommt, als Staubkorn, das sich in einer unermesslichen Weite verliert und niemanden interessiert. „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst“ (Gen 3,9), so heißt es etwa beim Empfang des Aschekreuz am Aschermittwoch, was daran erinnert, dass wir vergänglich sind.

Doch Hand aufs Herz: Wer denkt gern an die eigene Vergänglichkeit? Warum auch? Viele Gelegenheiten wie in früheren Zeiten gibt es ohnehin dazu nicht mehr. Die moderne Zivilisation mitsamt ihrer gesundheitsfördernden, lebensverlängernden Errungenschaften hat den Tod geradezu aus dem Sichtfeld des Lebens hier und jetzt geschoben...

Doch eigentlich müssten wir es besser wissen. „Die Götter beneiden uns, weil wir sterblich sind, weil jeder Augenblick unser letzter sein könnte“, sprach Achilles im Film „Troja“. Die Erkenntnis des sicher anstehenden Endes muss nicht für Lähmung sorgen. Im Gegenteil: Die Vorläufigkeit ist es, die dem Leben seine Würze verleiht, z.B. die genutzte einmalige Chance, das tolle Jobangebot, das zufällige Kennenlernen von Menschen, die unser Leben prägen – das hat in seiner Einmaligkeit seinen Reiz.

Am Ende des Monats feiert das Christentum Ostern, das Fest der Auferweckung Jesu, das auch uns Leben nach dem Tod in Aussicht stellt. Was dies am Ende der Lebenszeit konkret bedeutet, ist schwer, vielleicht auch gar nicht auszumalen. Wir können hier gewiss „nur“ glauben. Vielleicht ist es, mit den Worten der Forscher ausgedrückt, eine Art Eingehen in den ewigen Kreislauf kosmischer Kräfte, vorstellbar als eine Welle, die im Ozean zwar verschwindet und als etwas Größeres fortbesteht ...

Eines ist sicher: Wir sehnen uns in unserer kurzen Lebenszeit nach erfülltem Leben und nach Liebe. Der französische Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal sagte einmal sinngemäß: „Der Mensch, vor dem All ist er ein Nichts, vor dem Nichts aber ein All.“ Als ob dem Menschen ein Geist eingepflanzt wäre, der dazu drängt, sich nicht mit dem Dasein als Staubkorn abzufinden.

Das Bild zeigt Herrn Dr. Krause

Dr. Boris Krause

Theologischer Referent im DiCV Münster

krause@caritas-muenster.de

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Februar 2016 - Amen, ich sage euch…

Das Foto zeigt von unten  hängende Füße und Beine von Menschen, die erhöht sitzen.Pixabay

Orientierung in dieser Frage gibt uns dabei das Evangelium. Neben dem bekannten Samariter-Gleichnis (LK 10, 25-37) führt uns die Rede vom Weltgericht (Mt 25, 31-46) eine wesentliche Motivierung für das christliche Unterstützungshandeln vor Augen. „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder [und Schwestern, CK] getan habt, das habt ihr mir getan." (Mt 25, 40)

 Im diesem Bild wird die Motivierung spirituell verankert, meines Erachtens eine wichtige Ergänzung zu einem rein innerweltlichen Konzept von Caritas, das uns den Blick weitet, sollte dem „Samariter" irgendwann einmal das Geld ausgehen.

 Können wir uns das vorstellen, dass wir an einen Punkt gelangen, an dem unsere freien Kapazitäten erschöpft sind und wir an unsere Substanz gehen müssen, um beim Weltgericht bestehen zu können?

Porträtfoto von Christoph Kirchhoff

Christoph Kirchhoff
Freier Mitarbeiter der Caritas im Bistum Münster
ckirchhoff@t-online.de

Januar 2016 - Wunderbar gemacht …

Das Foto zeigt zwei Hände, die in die Kamera gehalten werden und auf denen in bunter Schrift viele Begriffe und Symbole aufgemalt sind.

Dann war ich bei einem tibetischen Arzt, der mir mitteilte,
ich wäre insgesamt arg in der Vergangenheit verhaftet.
Er schlug vor, man solle doch mal an sich herunter schauen und entdecken,
was alles so an einem dran ist. Aha!? Ich schaue...
... und denke gleich, was für´n Glück: 2 Füße, 10 Zehen, 2 Beine und Hände
mit 10 Fingern, alles im Ganzen und voll beweglich...
Dann beginne ich zu lächeln und werde still.
Aber, kennen Sie das?
Wenn ich nicht gleich Acht gebe, fällt mir der krumme kleine Zeh ein, die ungrade
gewachsenen Beine, hier das eine oder andere Kilo, das anderen vielleicht viiiel besser stehen würde...
Dabei können wir doch auch in der Bibel lesen – in Psalm 139,Vers 14:
„Ich danke Dir dafür, dass ich so wunderbar gemacht bin;
wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele wohl.“
Mh, denke ich, warum also nicht einfach mal sein lassen, das viele Denken und
Kritteln... mal davon ab–lassen... alte Pfade mal ver–lassen... los–lassen... die Augen auf–lassen, sehen, es dabei be–lassen
DAS WUNDER ZU–LASSEN.
Hoffentlich fragt mich jemand, was ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe!
Dann sage ich, einfach mal irgendwo sitzen können, nichts sagen, keine Meinung haben brauchen, nur zufrieden an mir herunter schauen, mich daran erfreuen,
was alles wundersamer Weise an mir dran ist und dafür dankbar sein.
Gleiches Wünsche ich Dir/Ihnen – .... jetzt!

Das Foto zeigt ein Porträt von Marion DobersekMarion Dobersek

 Marion Dobersek

Ehrenamtlich tätig in der
Heimstatt Adolph Kolping e.V. in Solingen
mariondobersek@gmx.de

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Impulse 2015

Dezember 2015 Wir blicken in die Welt und wir blicken nach innen

Menschwerdung I

Eine Kerzetwinlilli/pixelio.de

 

Advent

Ankunft

Ankunft Gottes

in Menschengestalt

in Bethlehem

und weltweit

milliardenfach –

voller Sehnsucht

nach Leben

nach Frieden und Brot.

In Krankheit und Krise

ratlos und Richtung suchend

fremd und verzweifelt

verloren und verlassen

gefoltert und geflüchtet.

 

Öffnet eure Augen!

Macht weit eure Herzen!

Bereitet die Wege!

Macht hoch die Tür!

 

Menschwerdung II

 

Mensch,

die To-do-Liste

wird von Tag zu Tag

länger und unübersichtlicher.

Bis Weihnachten muss einfach noch

so viel fertig werden!

 

Mensch,

atme!

Atme!

Wo spürst du den Druck?

Und wo den Atem?

 

All die Dinge:

eines nach dem anderen!

Und: atme!

Lass dich atmen!

Atme durch!

Atme auf!

 

Wenn der Druck da ist:

öffne dich!

atme!

Schaffe Raum

Atemraum

für Menschwerdung!

 

Texte: Monika Schmelter

November 2015 - Flüchtlinge, Ichlinge, anonyme Christen

Das Foto zeigt nur die Beine von Menschen, die über eine Straße laufen.

Ist das nicht erstaunlich? Ein ums andere Mal dachte man, dass unser Zeitalter eine Phase des Werteverfalls durchlebt, wo Selfness, Ego-Kult und Narzissmus prägende Leitmotive sind. Wohlgemerkt, natürlich gibt es diese Orientierungen nach wie vor. Und sie gibt es auch unter uns, mehr oder weniger. Wir alle sind gewissermaßen "Ichlinge", ein anderes Wort für "Sünder", wenn man es zum Beispiel in der Variante Luthers liest: ein in sich selbst "hineingekrümmter" Mensch ("incurvatio"), einer, der sich zur Begegnung als unfähig erweist.
Was lernen wir aber durch die Bilder der vielen zupackenden Hände hierzulande? Ist die Welt nicht doch christlicher als gedacht?
Der Philosoph Detlef Horster sprach einmal davon, dass alle heute befürworteten Werte in unserer Gesellschaft Wurzeln finden im Christentum. Da ist gewiss etwas Wahres dran, wenn auch nur zum Teil. Wir wissen ja, dass Helfen ein grundlegend menschliches Phänomen ist und zu allen Zeiten überall stattgefunden hat und stattfindet.
Doch darf man nicht tatsächlich behaupten, dass Spuren des Christlichen in Europa gerade dann fortleben, wenn das spürbar wird, was traditionell "Barmherzigkeit" genannt wird? Gemeint ist das Sich-leiten-Lassen eines Menschen eben durch sein Herz, eine Haltung, die, wie Sören Kierkegaard im Blick auf den "barmherzigen Samariter" (Lk 10,25-37) meint, schon im "Mitleiden" und in helfender Absicht beginnt, unabhängig davon, was ein Mensch geben kann.
Vielleicht ändern wir einmal die Blickrichtung. Der Jesuit Henri Boulad stellte vor geraumer Zeit fest, dass an die Stelle gelebter traditioneller Glaubensrituale heute stärker eine viel unkonkretere, unbewusstere Form des "Gottesdienstes" tritt: der Dienst am Menschen als eine Form der "Humanisierung des Heiligen". Eine bemerkenswerte These, die eine neue, produktive Sicht eröffnet: In seiner Seele sei Europa, so Boulad, nicht einfach  "entchristlicht", vielmehr sei es dabei, "einen neuen Typ von Christentum zu gebären, vielleicht einen authentischeren Typ denn je, ein sozusagen ‚säkulares‘ Christentum".
"Wandel statt Verlustgeschichte", so lautet die Botschaft zwischen den Zeilen für das Christentum, aus der möglicherweise etwas Gutes erwachsen kann, etwas, was den ein oder anderen im Engagement zusätzlich trägt und anspornt.
Doch wie wichtig ist diese Botschaft überhaupt, vor allem im nüchternen Blick auf die Unterkünfte, Straßen und Stadtteile, wo sich viele Menschen gegenwärtig in Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufhalten? Ja, in der Tat, wie wir die Hilfe nennen, erscheint eher zweitrangig. Für viele Menschen sind zurzeit die Fragen drängender, wie sie etwa der kühle November aufgibt.

Dr. Boris Krause
Theologischer Referent im Caritasverband für die Diözese Münster e.V.

Oktober 2015 - Auf die Bremse treten

Das Foto hzeigt eine Straße, die in der Ferne in Berge führt.

Kein Wunder, schließlich stammt er von Markus Ronner. Der Mann ist nicht nur Theologe, sondern auch Schweizer. Was er meiner Meinung nach damit sagen will: Es fällt manches Mal schwer, diese Jahreszeit zu mögen. Es regnet häufiger, der Wind bringt kalte Luft und die Natur wird immer kahler.

Auch die Menschen beginnen sich zu verändern. Manche werden ruhiger, gehen weniger aus dem Haus. Der Herbst scheint ihnen aufs Gemüt zu schlagen. Das kann man ihnen vorwerfen und sie als Langweiler oder Spaßbremsen bezeichnen. Doch vielleicht machen sie das auch ganz bewusst.

Vielleicht nutzen sie einfach den längeren Bremsweg.

 

Julius Schwerdt
Volontär in der Stabsstelle Verbandspolitik und Kommunikation des Caritasverbandes für die Diözese Münster

September 2015 - Waagschalen

Das Foto zeigt eine Pyramide aus drei Steinen, die auf einem Ast stehen, der einen Steinspalt im Gebirge überbrückt.

 Balance heißt übersetzt "Zwei Waagschalen". Das bedeutet, zwischen zwei Situationen zu entscheiden. Wie viel gibst du jeweils in die Waagschale für deine Arbeit und dein Privatleben?

Was gibt den Waagschalen ihr Gewicht? Harmonie versucht, in beide gleich viel einzugeben. Mitunter nehme ich dafür Bedürfnisse zurück. So sind beide gleich leicht. Was wird aber aus den Bedürfnissen?

Auf dem Seil muss ich Balance halten, sonst falle ich. Selten führt der Lebensweg übers Seil. Doch in manchen Situationen bin ich KünstlerIn. Das schaffe ich schon, Augen zu und durch.

Kannte Bruder Jesus die Balance? Er hat sich entschieden für die Menschen, insbesondere die schwachen. Und im Grundgesetz steht, dass vor dem Gesetz alle gleich sind.

Fazit: Es gibt Situationen, in denen wir ausgleichen müssen. Aber das Leben und die Liebe verlangen keine Balance, sondern deine Entscheidung für den Weg. Vertrau auf die Liebe!

Wilfried Leusing

war lange Mitglied des Leitungsteams des Altenwohnheims St. Josef-Stift Emsdetten und Mitarbeiter des DiCV Münster. Wilfried Leusing lebt heute mit der Diagnose ALS. Er gibt Einblicke in sein Leben auf seiner Homepage www.leben-und-als.de%%

August 2015 - Die Fühler ausstrecken

 

Das Foto zeigt einen bunten Schmetterling über Blattwerk.

Ein wichtiger Faktor dabei ist die Wärme. Sie hilft zur Freiheit. Es gibt Situationen, in denen wir uns zurückziehen, verpuppen. Es können schlimme Ereignisse sein, Unzufriedenheit mit sich selbst oder auch anerzogene Demut. Es ist gut, dass wir die Möglichkeit des Rückzugs haben.
Doch wir sollten uns auch auf die Dauer frei machen und die Welt neu entdecken. Wichtigster Faktor dabei ist ebenfalls die Wärme. Und die entsteht durch die Liebe, dem Geschenk des Vaters!
Wachstum ist ein Merkmal des Monats August. Ärger entsteht, wenn Schnecken im Salat, Kohl oder Blumen ihre Nahrung suchen. Schau genau hin, Schnecken sind mehr als gefräßige Feinde. Die Schnecken mit Haus tragen es immer mit sich. Auch für uns ist wichtig, dass wir bei uns selbst zuhause sind!
Und sie strecken die Fühler aus. Die Botschaft für uns heißt, sei offen, bleibe neugierig auf die Menschen und die Welt. Schließlich leben sie gegen unseren Zeitgeist. Sie sind langsam. Auch hier könnten wir lernen, wenn wir begreifen, dass Zeit kein Geld ist, sondern Lebensqualität! Der Ärger über den angefressenen Salat ist verständlich.
Wir von unseren Feinden lernen! So fördert der August den Blick aufs Leben!

Wilfried Leusing
  
war lange Mitglied des Leitungsteams des Altenwohnheims St. Josef-Stift Emsdetten und Mitarbeiter des DiCV Münster. Wilfried Leusing lebt heute mit der Diagnose ALS. Er gibt Einblicke in sein Leben auf seiner Homepage  www.leben-und-als.de

Juli 2015: Sommermonat - Ferienmonat

Eine Landschaftsaufnahme

Eine Quelle der Lebensfreude

Schenkt uns die Sonnenwärme ins Gesicht

 

Wie eine Quelle der Lebenskraft

Sind für uns die Sonnenstrahlen

 

Der See spiegelt das Sonnenlicht

Auf dem Wasser wider

 

Wie das Wasser des Sees

Können wir zum Spiegel der Sonne werden

 

Ein Stück vom Himmel

Können wir so füreinander werden

 

Wie ein Stück vom Himmel

Können wir einander Kraft schenken

 

Die Sonne zaubert

ein Lächeln in das Gesicht der Menschen
 

Wie die Sonne

Können wir einander ein Lächeln schenken

 

Dies alles kann für uns

Ein Vorgeschmack auf das Paradies sein
 

Ansgar Kaul

Hilfen für ältere und kranke Menschen/Gemeindecaritas. Caritasverband Emsdetten-Greven

Juni 2015 : „Oh, tut mir leid, ich kann grad nicht!“

Das Foto zeigt eine Collage aus Piktogrammen und Bildern.

Dank einer Hamburger Reederei waren es mit dem Dreimaster-Segler „Hoffnung" rekordhafte 30 Tage. 55 Jahre später legte man den Weg schon in neun Tagen zurück. Aber ein Flugzeug bringt uns heute schon in sagenhaften sechs Stunden über den Großen Teich!

Wir überwinden Strecken in immer schnellerer Geschwindigkeit... Und wir fragen schon lange nicht mehr wie ein Bootsmaat: „Komme ich wohl heil an?", sondern eher: „Komme ich heute pünktlich?" Und dennoch bin ich sicher, dass es einen Wandel geben wird. Einen Bewertungswechsel. Dann, wenn wir fragen: „Lohnt es sich dort hinzueilen!?"

Es etabliert sich eine neue Lebensart. Das zeigen uns schon die Zeitschriften in der Bahnhofsbücherei. Slow-Cooking, Slow-Food, Slow-Emotion frohlocken die Anglizismen. Beim Slow-Travel, also dem langsamen Reisen, erlebte der britische Autor Dan Kieran unterwegs in einem alten Milchwagen einmal, dass er beim Bergauf-Fahren von einer Hummel überholt wurde; ein für ihn einschneidendes Erlebnis. Die Hummel gefällt mir, da ihre Fähigkeit zu fliegen nach aerodynamischen Gesetzen ja lange als ein Wunder galt.

Aber ein anderer Gedanke keimt in mir auf. Natürlich, die Zeit ist knapp in unseren Tagen. Aber, was ist eigentlich mit dieser einen, ganz besonderen Reise? Mit der Reise zu mir selbst? Reisen in den Urlaub sollen entspannen. Nutzen wir eigentlich ausreichend die Gelegenheit im Alltag einfach mal inne zu halten? Bei welcher schönen Gelegenheit hätten Sie so gern ein Foto gemacht? Was zeigt es?

Ach, Sie haben ihr Smartphone immer dabei ... ?!

Horchen Sie mal in sich hinein. Wie ginge eine Flaschenpost von Ihnen an Sie im Text weiter? Liebe(r)..., gut, dass Du... Ah, Sie schreiben nicht so gern?!

Aber, da ist es, dieses eine unberührte Paradies – ich bin ganz sicher. Ihre persönliche Schatzkammer, die Sie mit ihren schönsten Erinnerungen eingerichtet haben und in der ihre kühnsten Träume und Talente schlummern. Haben Sie diesen Schlüssel auch immer dabei? Schauen Sie doch mal wieder rein und entdecken Sie sich selbst! Ich glaube, diese Reise zu sich, ist DIE Reise, die sich immer lohnt!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen – auch wenn´s grad nicht gut passt, gehen sie regelmäßig auf Spritztour – viel Spaß beim Kofferpacken für Ihren nächsten Mikro-Urlaub!

Marion Dobersek

Ehrenamtlich tätig in der Heimstatt Adolph Kolping e.V.
in Solingen, mariondobersek@gmx.de

 

(Walther Kabel 1878–1935: Die Dauer der Überfahrt von Europa nach Amerika. In: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Jahrgang 1913, Bd. 5, S. 237f.)

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Mai 2015 - Sich öffnende Natur, ein offener Blick…

Der Mai ist gekommen. Nicht nur die Bäume werden in dieser Zeit wie aus dem Nichts grün; sie schlagen buchstäblich aus. Dort, wo eben noch fast vertrocknete Baum- und Strauch-Gerippe standen, strahlen uns jetzt weiß- und goldblühende Blütenmeere entgegen. Bald schon streicht der warme Wind um unser Gesicht und wir bekommen einen Vorgeschmack auf den Sommer: Barfußlaufen und "nur im Hemd" wieder zur Arbeit gehen. Pullover und Parka verschwinden bis zum Herbst wieder in die entfernteste Ecke des Kleiderschranks. Wir Menschen brechen wie die Natur in dieser Zeit auf.

Die Volksfrömmigkeit hat den Monat Mai in besonderer Weise Maria geweiht. Das Schmücken der häuslichen Mai-Altärchen und die Maiandachten in den Kirchen waren und sind vereinzelt heute noch übriggebliebene "Übungen" dieser Volksfrömmigkeit.

Das Foto zeigt einen einzelnen großen, blühenden Baum in einer weiten Landschaft.

Die sich öffnende Natur scheint einen besonderen Aspekt von Maria zu zeigen: Mit ihr kommt uns ein auf den Menschen weisender tatkräftiger Blick entgegen, wie Chiara Lubich sagt. Maria kommt auf uns Menschen zu und bietet uns ihre Hand zur Begleitung an.

Schauen wir uns um: Dann stellen wir fest, dass wir Menschen uns und die, denen wir heute in der tatsächlichen oder angeblichen Hektik des Alltags begegnen, nur wenig anschauen. Bei den vielen Anforderungen nehmen wir vielfach Gesicht und Sorgen und Freuden unserer Kollegin/unseres Kollegen privat oder dienstlich kaum wahr.

Ich denke aber auch an die Frauen des Mobilen Sozialen Dienstes der Caritas-Sozialstation, die mir seit Jahren den Haushalt führen. Es ist bemerkenswert, mit welcher zugewandten Art sie ihren Dienst leisten und mich zuweilen in meinem Denken unterbrechen und "auf neue Gedanken" bringen. Das Eingängige daran ist, es geschieht nicht durch hoch-philosophische Gespräche, sondern durch sensibles gegenseitiges Zuhören.

Dies macht mir deutlich, was eine zeitgemäße Übersetzung von dem ist, was Caritas bedeutet, was Caritas verdeutlichen will: "Caritas heißt: den Menschen ins Gesicht sehen". In der Caritas arbeiten, bedeutet also, die Menschen anzunehmen, wie sie sind, und ihnen soweit wie möglich unsere Empathie zukommen zu lassen.

Dies können wir MitarbeiterInnen alle leisten. Wir müssen uns nur dazu trauen. Natürlich weiß ich, dass dies einem Traum gleichkommt, der mit der Wirklichkeit des gehetzten Dienstes nicht viel zu tun zu haben scheint.

Beide Aussagen beschreiben nicht nur einen Traum und das Ideal der Zugewandtheit, die uns überfordern. Sicher, die scheinbar gesetzlich festgelegten Strukturen in den Diensten und Einrichtungen sind nicht immer einladend und motivierend.

Es ist jedoch wichtig, dass wir uns, ob im Chefsessel oder als MitarbeiterIn an der Basis, dieses Idealbild für unsere Tätigkeit hinstellen. Hierzu ist das gegenseitige Zuhören und nicht der stete Rückzug auf Gesetze und Verordnungen wichtig.

Lassen wir uns dabei von der aufbrechenden Natur im Mai und vielleicht auch von der zugewandten Art Mariens anstecken und fangen wir an.

Josef Niebur

ehem. Verwaltungsangestellter
im Caritasverband

April 2015 - Gerechtigkeit - eine Führungstugend?

Christine Lietz_pixelio.de.jpg

Einige Stichworte aus der Predigt sind mir  bis heute gut in Erinnerung geblieben. Was sich in Unternehmen der Wirtschaft als gut und menschendienlich erweist, das sollte, so darf man annehmen, doch auch für unseren Caritas-Kontext gelten – oder nicht?

Die Frage der Predigt lautete, worauf es ankomme, „wenn man also heute gerecht führen will“? Aus Sicht des Vorstandsvorsitzenden seien vier Stichworte dafür prägend: Vertrauen, Empathie, Vorbild und Mut zum öffentlichen Kampf.

„Wer auf seine Mitarbeiter vertraut, der wird auch zu delegieren verstehen“ - so die erste Aussage. Da ist etwas dran! Nur wenn es ein gegenseitiges Vertrauen gibt, dann kann etwas wachsen – wachsen für das Unternehmen, das Angebot, den Menschen, der begleitet wird … .In der Beratungsarbeit etwa von caritativen Verbänden ist dies ein fundamentaler Gedanke. Der kann aber nicht nur gelten, wenn es um die Arbeit mit dem Klienten/Patienten geht. Auch die Mitarbeitenden müssen erst einmal das Vertrauen der Vorgesetzten haben - und umgekehrt. Ein solcher Vertrauensvorschuss muss täglich neu gewährt werden. Ohne ihn geht es in keinem Unternehmen wirklich aufrichtig und damit letztlich erfolgsorientiert zu.

Vertrauen zeigt sich daran, so der Prediger, dass man als vorgesetzte Person zu delegieren versteht. Wer also meint, alles nur selber machen zu können, der vertraut gerade nicht! Dass Vertrauen enttäuscht werden kann, das weiß jeder.

Dann muss es zunächst einmal die Möglichkeit geben, verlorenes Vertrauen zurückgewinnen oder zurückgeben zu können. Auch wenn dies nicht immer gelingt, so darf das kein Grund sein, erst gar nicht Vertrauen zu wagen!

Der Begriff der Empathie wird bei Wikipedia umschrieben mit:  „die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie gehört auch die Reaktion auf die Gefühle anderer wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz oder Hilfsimpuls.“

Ein gutes Gelingen gemeinsamer Arbeit braucht auch diesen Aspekt. Nur wenn es gelingt, bei den Beteiligten an einem Prozess/einer Arbeit Begeisterung zu wecken, dann kann letztlich etwas Gutes dabei herauskommen.

Viel zu häufig wird m. E. heute die Frage gestellt: „Was hat das mit Ihnen zu tun? Sind Sie dafür verantwortlich?“. Die Folge solcher Fragestellungen und der daraus folgenden Antworten ist doch gerade, dass man als Mitarbeiterin/Mitarbeiter sehr schnell die Bereitschaft verliert, Begeisterung zu zeigen. Begeisterung steckt an – über den eigenen Bereich hinaus – und das ist anscheinend oftmals nicht so sehr gewünscht.

Wenn eine vorgesetzte Person Emotionen, Gedanken und Motive zulässt – auch über den eigenen „Zuständigkeitsbereich“ hinaus, dann kann wirklich etwas wachsen. Früher war es üblich, dass man stolz war auf seine Firma. Das hatte etwas mit Emotion zu tun! Die sollte man auch zulassen können und sich daran erfreuen, wenn Mitarbeitende sie heute noch zeigen.

Dann ist da die Vorbildfunktion. Nur wenn die Unternehmensleitung/die vorgesetzte Person glaubhaft dafür steht, dass das, was sie selber sagt auch von ihr gelebt wird, dann gibt es einen Sinn. Die Beschäftigten – gleich ob in Kirche, Caritas oder freier Wirtschaft – werden dem Reden einer Leitungsperson nur dann folgen können und wollen, wenn die Inhalte dessen sich im täglichen Miteinander wiederfinden lassen. Wer z. B. davon spricht, dass Arbeitsbedingungen nicht krank machen dürfen, aber in der Praxis immer mehr Aufgaben auf immer weniger Personal verteilt, der verliert seine Glaubwürdigkeit, der kann nicht gerecht führen. Viele Beispiele ließen sich noch nennen.

Und schließlich noch der Mut zum öffentlichen Kampf – so der vierte Aspekt des Predigers. Eine Aussage, die vielleicht zunächst befremdet. Gemeint ist damit der Einsatz, wenn Gefahren für das Unternehmen und die Mitarbeitenden drohen. Diese können vielfältig sein. Wenn Mitarbeitende wissen, dass die Vorgesetzten auch für die Belange der Firma und Beschäftigten einstehen, dann ist das ein weiterer Aspekt, der zu einer gerechten Führung beitragen kann. Wer sich öffentlich positioniert, der setzt sich der Öffentlichkeit aus. Er bezieht Position und macht sich angreifbar – aber er ist eben auch erkennbar.

Vielleicht regen diese Gedanken ja an, einmal intensiver der Frage nach einer „gerechten Führung“ nachzugehen! Was in einem Wirtschaftsunternehmen als gerecht angesehen wird – könnte – ja müsste – das nicht auch in der Caritas gerecht sein?

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Peter Frings

Justitiar des
Caritasverbandes für die Diözese Münster e.V.

März 2015 - Achtsam - behutsam - feinfühlig...

Das Foto zeigt in schillernden Farben den Ausschnitt eines Baumstammes

Für den heutigen Impuls habe ich mich mit Achtsamkeit beschäftigt. Achtsamkeit mit mir, mit meiner Familie, meinen Kollegen, den Menschen in meiner Umgebung…
Auf das Thema gekommen war ich durch einen Kölner Tatort, der letztens lief. In der Schlüsselszene klingelt ein Schwerverletzter an einem Haus und keiner hilft - aus unterschiedlichsten Gründen. Alle sehen weg.
Achtsamkeit hat viel mit Übergängen zu tun. Wir erleben jeden Tag den Übergang vom Dunkel der Nacht zum Licht des Tages und an seinem Ende auf die Nachtseite des Tages. Dabei geht es um den Wechsel von Aufstehen und (Wieder)-zur-Ruhe-Kommen.
Die Übergänge in den Zeiträumen des einzelnen Tages, der Woche, des Monats und des Jahres sind voller Rituale. Man wird sich dessen bewusst, wenn man sie anderen „näherbringen“ möchte, wie ich zum Beispiel meinen Kindern.
Rituale zeichnen die besonderen Zeiten im Lebenslauf zwischen der Geburt und dem Tod aus und überschreiten zugleich den Anfang und das Ende. Die Rituale sprechen durch das Wort und die Antwort die Beständigkeit im Wandel an. Ich denke oft an Rituale mit nicht mehr lebenden, liebgewonnen Menschen und „vollziehe“ sie. Auch dies ist eine Form der Achtsamkeit.
Auf einer Fortbildung im letzten Jahr habe ich neben den „Wissens-Workshops“ ganz bewusst eine Achtsamkeitseinheit ausgewählt. Wir haben gemeinsam Tai-Chi praktiziert. Eine wichtige Übung war das „Erden“. Noch heute denke ich gerne daran, und praktiziere es auch.
Das Erden ist essentiell wichtig für jede Form des energetischen Arbeitens. Doch gut geerdet sein hilft auch, die Situationen des täglichen Lebens besser zu meistern. Das Erden hilft uns, in unserer Mitte zu sein. Der Stress des Alltags kann uns kaum noch berühren, denn wir können ihn einfach zur Erde ableiten. Wie geht das?

Die Füße stehen etwa schulterbreit auseinander.
Der Körper ist so gut wie möglich aufgerichtet. Wichtig ist ein bequemer Stand.
Mein Körper wird zum Stamm eines großen kräftigen Baumes.
Die Wurzeln meines Baumkörpers wachsen langsam in die Erde.
Immer tiefer und weiter breiten sie sich aus.
Über meine Wurzeln fließt die unerschöpfliche Kraft von Mutter Erde in mich hinein.
Probieren Sie es einmal 5 Minuten aus.
Es wirkt.
 
Achtsamkeit kommt aus der buddhistischen Lehre. Buddha hat zwei sogenannte Lehrreden dazu gehalten: das Anapanasati Sutta (über die Achtsamkeit beim Atmen) und das Satipatthana Sutta (über die Grundlagen der Achtsamkeit). Zu den Grundlagen gehören die Achtsamkeit auf den Körper, die Achtsamkeit auf die Gefühle/Empfindungen, die Achtsamkeit auf den Geist und die Achtsamkeit auf die Geistesobjekte (das heißt alle äußeren und inneren Objekte/Dinge, die im Moment wahrgenommen werden).
Dies fand in der westlichen Welt großen Anklang. So hat man in der Medizin und auch in der Psychologie vielerlei Forschungen dazu betrieben. Einen entscheidenden Einfluss hatte hierbei die Arbeit von Jon Kabat-Zinn, der Achtsamkeitstechniken bei Patienten mit chronischen Schmerzen einsetzte.Seitdem nahm das Forschungsinteresse an dem Thema stetig zu.
Inzwischen wird das Prinzip der Achtsamkeit im Rahmen der Therapie oder Prävention einer Vielzahl verschiedener psychischer und körperlicher Störungen bzw. Probleme eingesetzt. Auch erfährt Achtsamkeit als Thema zunehmende Bedeutung in der interdisziplinär angelegten Ratgeberliteratur zur Stressbewältigung wie auch im gesundheitstouristischen Sektor.
Ein sehr guter Filmbeitrag findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=4891Wudht0Y

Das Foto zeigt Wolfgang Strubel mit seinem Sohn

Achten Sie auf sich.
Einen herzlichen Gruß vom Niederrhein sendet Ihnen
Wolfgang Strubel
Leitung Haus „Am Außenwall“ Rheinberg
wolfgang.strubel@cwwn.de

 

Februar 2015 - Kleine Weisheiten

Das Foto zeigt in Nahaufnahme einen Gückskeks.

Manche Worte bleiben gut im Gedächtnis, meistens die ganz einfachen, z.B. „Du bist das beste, was dir passieren kann“ (Mohnsen Charifi). Oder: „Entwerfe dir deine Zukunft, aber mach’s mit einem Bleistift“ (Bon Jovi). Sehr lehrreich auch: „Vertraue auf Gott, aber binde deine Kamel fest.“ (arabisches Sprichwort)
Es gibt mittlerweile unzählige Sprüche- und Zitatseiten. Das Thema boomt. Offenbar ist der Bedarf an Wegweisern in einer manchmal chaotischen Welt recht groß. Außerdem wollen Menschen bekanntlich ja nicht bloß existieren, sondern Leben gestalten, im Kleinen so etwas wie „Lebenskunst“ (ars vivendi) betreiben.
Viele der kleinen Orientierungen wollen bei der Suche nach „Glück“ behilflich sein. Gemeint ist nicht das Glück als Ereignis, also nicht der unerwartete Lotteriegewinn oder das abrupte Ende des Regenschauers, wenn man die Wohnung verlässt. Gemeint ist mehr das Glücklich-Sein, kurz: Zufriedenheit im Leben. Doch wann sind Menschen wirklich glücklich?
Ein Gedanke des Psychologen Viktor Frankl hat mich in dieser Frage einmal auf eine hilfreiche Spur gebracht. Seiner Ansicht nach richtet sich unsere Suche gar nicht so sehr auf ein – wie auch immer beschaffenes – Glück, sondern auf einen Grund, glücklich zu sein. Das ist ein Unterschied. Gemeint ist Leben mit einem „Wozu“, mit einem Sinn, der sich nach Frankl in zweierlei Weise verwirklichen lässt: im Engagement für etwas, z.B. im Beruf oder Ehrenamt; genauso aber auch im Zwischenmenschlichen, im Gestalten von Beziehungen, in Liebe und Freundschaft.
Glückliches Leben mit einem „Wozu“ … ist dies nicht die Einsicht, die auch im Wort Jesu „Wo euer Schatz ist, da ist auch Euer Herz“ (Mt 6,21) gelesen werden kann? Wo ein Sinn, ein Schatz im Leben entdeckt wird, daran hängt sich das Herz, dafür schlägt es und Zufriedenheit stellt sich ein.

Ein guter Gedanke, der, praktisch gesehen, dann glückverheißend sein wird, wenn er nicht zu sehr überfordert. So könnte der Blick ja zunächst auf kleine Begebenheiten im tagtäglichen Leben gelenkt werden, auf kurze Begegnungen, auf beseelte Wortwechsel, auf gewonnene Einsichten, auf erfüllte Aufgaben, auf Geschafftes und Geschaffenes. Und man könnte von Tag zu Tag schauen, also jeden Morgen neu fragen, was die kommenden Stunden wohl für Möglichkeiten bereithalten.
Bekanntlich ist es oft die Suche nach den einfachen, kleinen Dingen, auf die es ankommt. Viele Menschen berichten, dass es ihnen – mit ein wenig Übung – sogar gelungen ist, aus der Orientierung an dieser kleinen Weisheit etwas Beständiges werden zu lassen: eine Haltung. Sie sagen, dass ihr Leben dadurch reicher geworden ist…
Haben Sie eigentlich auch einen Lieblingsspruch? Wie wäre es hiermit (es muss ja nicht gleich immer so tiefschürfend sein): „Wissen Sie schon, dass man ein weiches Ei nicht als Zahnstocher benutzen soll?“ (Karl Valentin)

 Dr. Boris Krause
Theologischer Referent im Diözesancaritasverband
krause@caritas-muenster.de

Januar 2015 - Mach‘s wie Gott, werde Mensch!

Das Foto heigt in Nahaufnahme die gelbe Blüte einer Blume umgeben von Grün.

Es gab mal eine Studie,
da wurden Frauen und Männer durch ein Maisfeld- Labyrinth geschickt.
Die Männer haben es schneller geschafft, ans Ziel zu kommen.
Doch die Frauen konnten viel berichten, was sie unterwegs gesehen haben.
Lass uns mal in Gedanken fraulich aufmerksam den Weg gehen
durch das Jahr 2015! Dabei schauen wir nicht auf das, was wir kennen,
sondern links und rechts!

Zunächst kommen wir an einem Fluss vorbei.
Er hat einen besonderen Namen: Visiona.
An dieser Stelle setzen wir uns ein wenig,
lassen uns vom fließenden Wasser mitnehmen
und können dann Ideen spinnen,
sammeln und einpacken für die Zukunft!

Wir gehen weiter und stoßen links auf eine Höhle,
die Höhle der Neugier.
Nicht nur Kinder, auch wir Erwachsene sollten neugierig sein
auf die Welt, die Mitmenschen, die Natur.
Nimm dir Zeit und schaue den Menschen freundlich ins Gesicht,
in jedem ist ein Abbild Gottes zu sehen!
Und gleich hinter der Höhle kommen wir auf eine Brücke.
Es ist die Konfliktbrücke. Hier kannst du gut lernen,
denn sie ist so schmal, dass nur ein Mensch drüber gehen kann.
Und wenn dir jemand entgegen kommt? Genau, jetzt kommt es darauf an,
wer nachgibt oder sich durchsetzen will.
Jeder hat die Freiheit, den anderen vorzulassen!

Vielleicht hilft die Schlucht auf der anderen Seite der Brücke.
Es ist die Schlucht der Demut! Nein, du musst nicht kriechen.
Du bist natürlich wichtig, es ist gut, dass es dich gibt!
Doch du bist nicht wichtiger, wissender und besser,
als deine Mitmenschen!
Martin Buber (jüdischer Religionsphilosoph)
hat den Satz der Nächstenliebe so übersetzt:
„Liebe deinen Nächsten, der er ist wie du!“

War der Weg bisher anstrengend?
Da hilft uns der Pfad der Gelassenheit,
und wenn du ihn gehst, wirst du feststellen,
er ist menschlicher als die Hetze in unserer Zeit!
Deshalb geh den Pfad ruhig etwas länger
und kehre immer wieder zu ihm zurück!

Wir könnten noch so viel erleben.
Da ist der Gipfel der Wut und Trauer.
Oder im August 2015 würdest du vielleicht erkennen,
wenn du es aufschreibst: 0815!
Das wollen wir nicht,
denn wir sind Menschen für Menschen!
Das ist spannender, intensiver und lebendiger!
Darum:
Mach’s wie Gott, werde Mensch!
(Zitat des Buchtitels von Franz Kamphaus)
Ein interessantes Neues Jahr wünsche ich dir!
Und vergiss nicht, ab und zu links und rechts zu schauen!

 

Das Foto zeigt einen Mann mit weißem Vollbart, der Pfeife rauchend auf einem Balkon sitzt, im Hintergrund eine Berglandschaft.

Wilfried Leusing
  
Langjähriger ehemaliger Leiter des Altenwohnheims St. Josef-Stift Emsdetten und Mitarbeiter des DiCV Münster. Wilfried Leusing lebt heute mit der Diagnose ALS. Er gibt Einblicke in sein Leben auf seiner Homepage  www.leben-und-als.de

Impulse 2014

Dezember 2014 - ... in mir steckt ein Wunder ...

Das Foto zeigt bunte, beschriftete Zettel in verschiedenen Formen, die an einer Schnur hängen.

Und was steckt hinter dem Foto, das ich für diesen Dezember-Impuls für Sie ausgesucht habe - worauf weist es hin?

Wenn Sie das Bild anschauen und auf sich wirken lassen, sehen Sie die Farben blau und gelb sowie viele Namen auf kleine Kärtchen geschrieben, die wie Wolken und Sterne aussehen und an feinen Schnüren zu tanzen scheinen. Im Hintergrund wacht ein goldener Engel und gleich drunter sehen Sie eine Postkarte, die eine schwangere Frau darstellt.

Dieses bunte Foto zeigt einen Ausschnitt meines Büros in der Schwangerschaftsberatungsstelle. Auf den Kärtchen lesen Sie die Namen der Babys, die im Laufe des Jahres 2014 von meinen Klientinnen geboren wurden: Melinda und Oskar, Zoey und Muhamed, James, Phil und Elif und wie sie alle heißen. Die schönen und bedeutungsvollen Namen erzählen in vielen Sprachen vom Wunder des Lebens - von Hoffnung, Freude und dem Geheimnis der Menschwerdung.

Wenn ich an die werdenden Mütter und Väter denke, die ich in diesem Jahr begleiten durfte, erinnere ich mich sowohl an Babys, die von ihren Eltern mit großer Sehnsucht erwartet wurden, als auch an Babys, um deren Existenz gerungen und gekämpft wurde. Menschenkinder, die ungeplant und überraschend oder mit belastenden vorgeburtlichen Diagnosen das Leben von Frauen, Männern und Familien völlig auf den Kopf gestellt haben. Diese Schwangerschaften lösten Lebenskrisen aus, und einige Babys kamen unter schwierigsten gesundheitlichen oder sozialen Umständen zur Welt.

Verzweiflung und Existenzängste sind nicht selten die Gründe, wenn Frauen und Paare Kontakt aufnehmen mit unserer Beratungsstelle und Hilfe suchen. Gefühle von Überforderung wechseln ab mit Gefühlen des Glücks, sobald die Schwangeren davon berichten, wie überwältigend es war, als sie erstmals die Herztöne ihres Kindes hören konnten. Und die Freude wächst weiter, je spürbarer und sichtbarer das Baby im Bauch der Mutter zu strampeln beginnt.

Auch im Lukas-Evangelium, das uns auf Weihnachten vorbereitet, hören wir von zwei schwangeren Frauen - Maria und Elisabeth. Als die beiden sich im Gebirge von Juda besuchten "hüpfte das Kind voll Freude in ihrem Leib". Maria ist von der Botschaft des Engels Gabriel, von der Begegnung mit ihrer Freundin und den Bewegungen des ungeborenen Kindes so begeistert, dass sie einstimmt in den Lobpreis Gottes - den Retter, Heiland und Erlöser der Welt.

Das Geheimnis, dass Gott menschliche Gestalt annimmt, geboren als kleines Kind im Stall zu Betlehem, feiern wir nicht nur zu Weihnachten - sondern jedes Mal, wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt.

Wir glauben, dass durch die Geburt Jesu Christi jeder Mensch den Gottesfunken in sich trägt - vor aller Zeit und in Ewigkeit.

Das Wunder des Lebens zu schützen, die Entwicklung zu fördern und der Schöpfungskraft Gottes zu vertrauen ist Aufgabe der katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen.

Für die Advent- und Weihnachtszeit wünsche ich Ihnen, Ihren Familien und Freunden reichen Segen, Momente der Stille, das Geschenk der Freude und des Friedens im Herzen. Mögen Sie neu erfahren und mit allen Sinnen begreifen, wie sie sich anfühlt - die Gewissheit: in mir steckt ein Wunder.

Monika Brühl
Koordinatorin der Schwangerschaftsberatungsstelle
des Caritasverbandes für die Stadt Recklinghausen e.V.
Theologin, Religionspädagogin & Psychotherapeutin
m.bruehl@carit

November 2014: November-Gedanken

Das Foto zeigt in der Ferne aus einer Nebellandschaft ragende Berge.Ansgar Kaul

Kalt und feucht lässt der November uns
 unsere  irdische Herkunft spüren.

 Herbstlich bunt lässt der November uns
 unsere Endlichkeit spüren.

 Möge uns im Nebel des Lebens
 ein Licht - Gott und Mensch - begegnen.

 Mögen uns in kühlen Zeiten
 menschliche Wärme und Herzlichkeit begegnen.

 Mögen uns in der Endlichkeit
 Fingerzeige auf das Ewige begegnen.

 Möge Gott unseren Glauben und unsere Hoffnung stärken,
 das jenseits unseres Alltagsnebels eine weite, bunte Lebensperspektive auf uns wartet.

 Ansgar Kaul
 Hilfen für ältere und kranke Menschen/Gemeindecaritas
 Caritasverband Emsdetten-Greven

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Oktober 2014 - Sonnenstrahlen für die dunkle Jahreszeit

Das Foto zeigt von unten in die strahlende Sonne fotografiertes Laub an Bäumen und Sträuchern.

Zu Beginn sind die Bäume noch grün, dann leuchten sie in ihren bunten Farben, aber schon bald fallen die Blätter von den Ästen und die Bäume wirken plötzlich nüchtern und kahl. 

Überall in der Natur wird nun die Aktivität zurückgefahren. Die Zugvögel verlassen allmählich unsere heimischen Gefilde, die Sonnenstrahlen nehmen ab, die Tage werden kürzer. Spätestens wenn Ende Oktober die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt werden, fängt sie an – die dunkle Jahreszeit.

Das trübe Wetter kann auf die Stimmung drücken. Man fühlt sich müde und antriebslos. Das liegt unter anderem daran, dass der Körper zu wenig Vitamin D bildet. Dazu benötigt er nämlich Sonnenlicht. Dafür wird verstärkt ein Hormon namens Melatonin ausgeschüttet, die Spaßbremse unter den Hormonen.

Kaum Sonnenlicht, eine Spaßbremse... Und die Natur, die es uns vormacht: Auf Wachstum folgt Ruhe. Aber von uns Menschen wird genauso der gleiche Einsatz gefordert wie im Frühling oder Sommer.

Doch so schlecht geht es uns in Mitteleuropa gar nicht. In den skandinavischen Ländern sind die Tage noch viel kürzer, nördlich des Polarkreises geht die Sonne tage-, ja wochenlang gar nicht auf. Deshalb besitzen viele Norweger spezielle Tageslichtlampen, die das Sonnenlicht vortäuschen sollen.

Brauchen auch wir solche künstlichen Lichtquellen?
 
„Sonnenstrahlen für die dunkle Jahreszeit“, so lautete das Thema einer Frühschicht zum Erntedankfest vor einigen Jahren bei uns im Caritas-Kinder- und Jugendheim Rheine. Unsere Kinder und Jugendlichen haben zwar nicht nur im Herbst ihre traurig-sensiblen Momente, aber doch berichten viele Kolleginnen und Kollegen aus den Gruppen, dass insbesondere die dunkle Jahreszeit eine emotional hoch brisante, stimmungsgeladene, nachdenkliche Zeit für viele unserer Bewohner ist.

Verleitet nicht die Dunkelheit zu mehr trübsinnigen Gedanken? Warum soll es ihnen da anders gehen als uns?

 „Sonnenstrahlen für die dunkle Jahreszeit“ können sein:
 Erinnere dich an unbeschwerte Urlaubstage!
 Zehre von einer Begegnung, die dir gut tat!
 Wiederhole die aufbauenden Worte, die dir jemand sagte!
 Denke an die Situation, wo dich jemand zum Lachen brachte!
 Fühle die Wärme der Sonnenstrahlen auf deiner Haut!

Vielleicht hilft es, an den dunklen Tagen vermehrt die „inneren Lichtschalter“ zu betätigen. Ein Versuch ist es wert.

Doch wie dem auch sei: Bis jetzt ist nach jeder dunklen Jahreszeit auch wieder der Frühling gekommen. Und schon ab dem 22. Dezember werden die Tage wieder länger. Da kann es doch kein Zufall sein, dass kurz danach Weihnachten gefeiert wird, das Fest der Geburt Jesu, der von sich sagte: „Ich bin das Licht der Welt.“

Kommen Sie gut durch die dunkle Jahreszeit!

Annette Wiesmann
Lehrerin im Heilpädagogischen und Psychologischen Dienst
Caritas-Kinder- und Jugendheim Rheine

September 2014 - "... dann geht Dir der Kopf auf

Das Foto zeigt einen geschnitzten Kopf mit überdimensionalen, gefletschten Zähnen in einem Dornengestrüpp.

Aber wenn ich Sie bitte, sich gedanklich einmal auf die Reise in ihre frühere Kindheit zu begeben... gab es da nicht diese Momente, in denen Sie von einem ganz lieben und vertrauten Menschen in ganz gemeiner Manier ausgekitzelt wurden? Erinnern Sie sich noch an dieses Lachen? Erinnern Sie die Momente, in denen alles andere um Sie herum an Bedeutung verlor, da Sie selbst scheinbar nur noch aus Lachen bestanden?

Und wie Sie sich „danach“ mühselig erstmal wieder in den Normalzustand zurückatmen mussten … körperlich herrlich erschöpft? Beim Schreiben dieser Zeilen zieht es mir schon die Mundwinkel nach oben zu einem Grinsen, war ich doch mit einem „großen Bruder“ gesegnet, der mir dergleichen häufiger bescherte.

Aber wie ist es um unser Lachen heute bestellt? Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Kinder lachen 20 Mal häufiger als wir Erwachsene! Haben wir nichts mehr zu lachen oder lassen wir diese gottgegebene Fähigkeit verkümmern? Unsere Kleinen jedenfalls lassen sich weniger durch geistreiche Wortspiele als durch Körperbewegungen und soziale Kontakte erheitern.
Wenn Sie also mal wieder ganz bewusst in den Genuss der heilsamen Wirkung des Lachens kommen wollen, können Sie ja erneut prüfen, ob Sie mittlerweile nicht doch mit ihrer Zunge ihren Ellenbogen erreichen. Oder Sie fangen ganz klein mit einem Lächeln an; zum Beispiel mit einem Lächeln, dass Sie einem anderen schenken.

In meiner Arbeit mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind, bin ich da sehr spendabel geworden. Und manchmal entstehen dabei ganz famose Begegnungen; wie bei Frau S. (über 70 und von Beruf Schreinerin), welche mir nach einem Anlächeln versicherte: „Wenn Du lachst... wenn Du lachst Mädchen, dann geht Dir der Kopf auf!“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gern einen zugigen Tag! Nehmen Sie den Mund ruhig mal zu voll,... voll eines Lachens. 

Marion Dobersek
(ehrenamtlich seelsorgerisch tätig)

August 2014 - Abschalten!?

 

Das Foto zeigt einen Sonnenuntergang am Strand, an dem in der Ferne Reiter und Spaziergänger sichtbar sind.

Morgen fahre ich in den Urlaub. Ich muss nur noch kurz die Mails checken bevor ich losfahre. Ach, richtig, die Erinnerungen noch schnell durchsehen. Ups, das Handy hatte ich ganz vergessen. Nachrichten, Whats app und facebook… Ah ja jetzt…haben wir es endlich.

Bin ich denn im Urlaub in Notfällen erreichbar? Was genau meine ich mit Notfällen? Was muss ich meiner Vertretung noch alles mitgeben? Passiert in den nächsten 3 Wochen etwas Entscheidendes? Habe ich wirklich nichts vergessen?

Das waren meine ersten Gedanken, als ich mich mit dem Thema beschäftigte. Natürlich sprach ich auch mit Freunden darüber. Was denkst Du darüber? Einige Antworten haben mich verblüfft: Die Spannnbreite von - "Wir fahren ohne Handy in den Urlaub" bis "Ohne Handy kann ich nicht in den Urlaub" war doch sehr groß.

Heute telefonierte ich mit meiner Mutter, die mir berichtete, zu deinem Thema steht was in der Zeitung. Sie meinte einen Artikel, der sich mit der immens zunehmenden Internetsucht beschäftigte. Man hat unter anderem festgestellt, dass in der Altersgruppe der 18- bis 23jährigen im Durchschnitt alle sieben Minuten das Smartphone benutzt wird.

Ein anderer Impuls eines Freundes steigt in mir auf: Wann hat dich in der Bahn zuletzt jemand angeschaut? Er meinte damit, dass eine Vielzahl der Bahnfahrer mittlerweile mit Einstieg das Handy ziehen und dann bis Fahrtende darin vertieft sind. Telefonate stehen dabei nicht im Vordergrund.

Wo geht diese Entwicklung hin?

Die steigenden Anforderungen scheinen dazu zu führen, dass immer mehr Menschen auch im Urlaub nicht mehr abschalten können (s. Psychologie heute, Juli 2014, Seite 20 ff.). Es wird in vielen Fällen auch im Urlaub gearbeitet. Da wären wir wieder am Anfang des Textes...

Ich hoffe, Ihnen einen kleinen Impuls mitgegeben zu haben. Ich habe auf meinen Schreibtisch zentral eine Schildkröte stehen, die mich daran erinnert, Dinge in Ruhe anzugehen.

Mit einigen Gedanken des Dalai Lama möchte ich Sie zum Abschluß gerne "beglücken":

 

"Es ist eindeutig das innerer Friede der Hauptgrund für Glück ist. Dies können wir in unserem Alltag beobachten. Wenn Schwierigkeiten auftauchen oder wir Opfer eines Missgeschicks werden, nehmen wir es locker, es macht uns nicht schwer zu schaffen. Aber an Tagen an denen wir traurig sind oder an denen wir unsere normale Gelassenheit verloren haben, reicht nur ein kleines Ärgernis aus das eine enorme Dimension annimmt und uns zutiefst aufregt."

"Echtes Glück erfordert den Frieden des Geistes oder ein Maß an geistiger Gelassenheit. Wenn dies vorhanden ist, zählt Härte nichts. Mit innerer Stärke oder geistige Stabilität können wir alle Arten von Widrigkeiten ertragen."

"Die Übung in Geduld bewahrt uns vor dem Verlust unserer Gelassenheit. Dadurch haben wir die Möglichkeit unser Urteilsvermögen zu trainieren, selbst in sehr schwierigen Situationen. Es gibt uns inneren Raum. Und durch diesen Raum gewinnen wir ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung, welche uns erlaubt auf Situationen in angemessener Weise reagieren zu können. Mitfühlend, anstatt durch unsere Wut und Verärgerung getrieben."

 

Einen herzlichen Gruß

Wolfgang Strubel...

Leiter Haus "Am Außenwall", Rheinberg

 

Juli 2014 - Mit Mut den eigenen Schatten anschauen

"Demut als Führungskompetenz in Sozialunternehmen, Lösung im Spagat zwischen Marktmechanismus und Burnout-Epidemie"

 Noch ein Rezept gegen Burn-out? Mit Demut? Wird die demnächst im Assessment-Center gemessen?

 Der Begriff ist sperrig. Ich verbinde damit spontan Unterwürfigkeit und Opportunismus, blinden Gehorsam und sich selbst verlierendes Pflichtbewusstsein und nicht zuletzt Demütigungen. Zudem erscheint Demut als "weibliche Domäne… In den Bildergalerien europäischer Museen versammeln sich … Ikonen der Demut, mit gebeugten Knien und niedergeschlagenen Augen."

 Und das als Führungskompetenz? Da passt doch etwas nicht… Verbirgt sich hinter "Demut" doch mehr, als zunächst gedacht? Meine Neugierde ist geweckt, ich beginne, nachzuforschen …

Jörg Müller schreibt über das "Wesen der Demut". Sie sei Tugend, die Haltung einer Person. Kaum eine Tugend sei so schwer zu beschreiben: "Wer glaubt, demütig zu sein, ist es schon nicht… Denn der wahrhaft Demütige hält sich immer noch für zu stolz und zu eitel." Demut ist offenbar das Gegenteil von Hochmut. Sie ist der "Mut, seinen eigenen Schatten anzuschauen… Die Demut besteht nicht darin, sich schlechter und kleiner zu machen, als man ist, sondern seinen tatsächlichen Zustand zu erkennen und als Teil der Persönlichkeit anzunehmen."

Petra Bahr ergänzt um einen weiteren wichtigen Aspekt: "Demut … ist die Haltung, die Macht und faktische Überlegenheit in Verantwortung verwandelt." Demut ist also nicht einfach Zeichen von Schwäche, sondern etwas, was tiefe Überlegenheit und Verantwortung verbindet.

Ich erinnere mich an ein Bild, das mich tief berührt und irritiert hat: Ernst Barlachs "Russische Bettlerin I". Sie ist am Boden, senkt sogar noch ihren Oberkörper und konfrontiert mit Armut und Hilfsbedürftigkeit. Gleichzeitig ist sie - wie eine Tänzerin - anmutig, in fließender, kraftvoller Haltung, in sich geschlossen, gleichzeitig bereit, mit ihrer offenen Hand Kontakt nach außen aufzunehmen und anzunehmen, was ihr gegeben wird.

Passend dazu wirft Papst Franziskus einen Blick auf Maria: "… jedes Mal, wenn wir auf Maria schauen, glauben wir wieder an das Revolutionäre der Zärtlichkeit und der Liebe. An ihr sehen wir, dass die Demut und die Zärtlichkeit nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken sind, die nicht andere schlecht zu behandeln brauchen, um sich wichtig zu fühlen." So erhält Demut, wie Franziskus in "Evangelii Gaudium" ergänzt, auch eine wichtige Bedeutung für das Gemeinwohl.

Kaum etwas ist ausschließlich gut, sondern hat zwei Seiten. Wie so oft im Leben ist Balance notwendig. Demut braucht ehrliche Nachdenklichkeit, Selbstzweifel ohne Selbstmitleid, Vertrauen und Diskretion, Freundschaft, "geschützte Räume, in denen Platz ist für Luftgespinste und wilde Ideen, für Tränen der Wut über Fehlentscheidungen und für Augenblicke totaler Erschöpfung. Es sind ja genau diese Momente, durch die die gefühlte Großartigkeit und Unberührbarkeit einen Dämpfer bekommt und die eigenen Möglichkeiten wieder auf ein menschliches Maß schrumpfen."

Mich erinnert das an Menschen: historische Persönlichkeiten, aber vor allem auch an "normale" Menschen, denen ich in meinem Leben begegnet bin, die den Mut hatten und haben, "den eigenen Schatten anzuschauen", ihn anzunehmen und verantwortlich mit sich und der Welt umzugehen. Wäre dies nicht auch eine gute Führungstugend?

Zum Schluss bleibt ein Wunsch, ausgedrückt mit den Worten Anselm Grüns: "Ich wünsche Dir, dass Dir der Engel der Demut den Mut schenkt, Dich in Deiner … Menschlichkeit anzunehmen und zu lieben. Dann wird von Dir Hoffnung und Zuversicht ausgehen auf alle, denen Du begegnest. Der Engel der Demut wird um dich herum einen Raum schaffen, in dem Menschen den Mut finden, hinabzusteigen in ihre Wirklichkeit, um geradeso aufzusteigen zum wahren Leben."

Birgit Scheibe
berät als Juristin im Caritasverband für die Diözese Münster die Schwangerschaftsberatungsstellen

Juni 2014 - Kleine Gesten...

Die Erzählung handelt von den in einem Dorf lebenden, kleinen Swabedoodahs. Die kleinen Leute waren sehr glücklich und das hat einen ganz besonderen Grund. Immer wenn sich die Swabedoodahs untereinander begegneten, schenkten sie sich gegenseitig kleine, warme und weiche Pelzchen. Sie sollten dem Anderen zeigen: "Ich mag dich" oder "Ich habe dich gerne, du bedeutest mir etwas" - eine Geste der Wertschätzung.

Abgelegen, in einer dunklen Höhle lebte ein Kobold. Er war neidisch auf die glücklichen Dorfbewohner, denn eigentlich wollte er gar nicht einsam und verlassen sein. Aus Frust und mit Hinterlist erzählte er einem kleinen Swabedoo, dass er sehr vorsichtig mit seinen Pelzchen umgehen müsse. Wenn er diese immer nur austeile, dann würde sein Vorrat an Pelzchen irgendwann ausgehen. Diese Vermutung war natürlich falsch, denn jeder Swabedoo besitzt einen unerschöpflichen Vorrat an Pelzchen, da sie diese immer gegenseitig austauschten.

Der Kleine dachte jedoch nicht daran und lief aufgeregt ins Dorf, wo er diese Geschichte weiter erzählte. Schnell machte sie die Runde und bald schon zeichnete sich ein großer Wandel ab: Die kleinen Swabedoodahs verschenkten aus Angst nur noch selten ihre Pelzchen und bald schon vergrub man diese sogar unter dem Bett. Die Bewohner im Dorf wurden immer unglücklicher, misstrauischer und zeigten gar keine Freude mehr. Erst nach langer Zeit begriffen die Swabedoodahs, dass ihre Pelzchen eine Besonderheit waren. Ab und an und nur in ganz seltenen Fällen wurde ein solches Pelzchen nun doch wieder verschenkt. Die ursprüngliche Freude der kleinen Leute kehrte allerdings nie wieder vollständig zurück.

Mir gefällt an dieser Geschichte, dass sie den Leser wachrüttelt und auf eine sehr niedliche Art und Weise die Besonderheit und den Wert kleiner Gesten vermittelt. Gerade in der Hektik des heutigen Alltags vergisst man schnell, seinen Mitmenschen einfach einmal kleine Geschenke zu machen. Diese können zum Beispiel aussagen: "Ich mag dich, du bedeutest mir etwas".

Dabei erinnere ich mich gerne an mein Praktikum bei der Caritas im Bistum Münster zurück. Ich bin dort ebenfalls Menschen begegnet, die nach dem Guten und nach dem Glück für Mitmenschen suchen. Genauso wie die kleinen Leute von Swabedoo.

Auch während meines Praktikums habe ich erfahren wie kleine Gesten Großes bewirken konnten. So bei einem Gespräch zwischen einem Gefängnisinsassen und seinem Sozialarbeiter. Trotz der bedrückenden Umgebung im Gefängnis wirkten die beiden sehr zufrieden, lachten sogar. Ich hatte das Gefühl, dass schon in diesem kurzen Moment eine Freundschaft entstand. Die Dankbarkeit des Insassen war deutlich zu spüren. Es gab Jemanden, der sich für seine Geschichte und sein Leben interessierte und ihm mit Respekt begegnete.

Gerade als Außenstehender merkt man, wie wertvoll die Arbeit der Mitarbeiter innerhalb der Caritas ist. Ohne ihren Einsatz wäre das Leben vieler Mitmenschen sehr viel ärmer und schon kleine Gesten können Großes bewirken.

Nadine Eckmann

Studentin der Komparativen Theologie
an der Universität Paderborn

 

 

Mai 2014 - Mairegen bringt Segen

Die »Grünkraft« (Hildegard von Bingen) gewinnt Raum und erneuert das Antlitz der Erde! Im übertragenen Sinne erlebe ich solches Neuwerden - in Zyklen - auch in meinem persönlichen wie im beruflichen Leben. Auch das ist eine Art der »Maierfahrung«, die mir Kraft gibt, Wachstum ermöglicht, Lebendigkeit schenkt sowie spirituelle Weiterentwicklung anstößt und hoffentlich auch weiter wirken wird - Gnade?!

Vielleicht ja? Aber theologisch betrachtet baut die Gnade auf die Natur auf, was für mich heißt: es gilt nach Kräften, also wie meine individuelle Natur es ermöglicht, mitzuarbeiten, damit Wachstum und Weiterentwicklung eine Chance bekommen.

So erlebe ich an meinem Arbeitsplatz - ich leite im nordwestlichen Münsterland ein Wohnheim für Menschen, die "behindert" genannt werden - immer wieder, dass hier lebende Menschen, einen enormen Entwicklungsschritt machen. Manchmal hätte kaum jemand mehr damit gerechnet, doch die engagierte und gute fachliche Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, getragen von viel Herzblut, hat den Boden dafür bereitet. Und dann: Mairegen bringt Segen.

Damit solche segensreichen Wachstumsschübe sich ereignen können, bedarf es einer liebevollen Zuwendung und Vorbereitung (Aushalten von scheinbarer Stagnation im Winter, Glauben an das Wiedererwachen der Natur im nächsten Frühjahr) und vor allem bedarf es des Glaubens, dass nicht ich alles machen muss, sondern göttliches Wirken verlässlich ist - wie in der Natur.

In unserem Berufsfeld geht es um die ganzheitliche Begleitung von Menschen, die auch wir nach wie vor "behindert" nennen, die aber genau wie jede und jeder von uns die

Schönheit der Schöpfung widerspiegeln und Gottes Ebenbild verkörpern. Gibt es hier etwas Bedeutsameres, als Mitwirkende am göttlichen Schöpfungswillen zu sein? Ist es nicht wunderbar zu erleben, wie jedes Menschenleben von Wachstumszyklen getragen ist, auch wenn dies in "kalten Wintermonaten" zuweilen nicht spürbar oder kaum mehr geglaubt werden kann?

So hat mich mein Leben doch immer wieder gelehrt: "Nach jedem Winter kommt ein Frühling!" und:

"Mairegen bringt Segen!"

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen privat und beruflich Maisegen in Fülle!!!!

 
Monika Schmelter

Leiterin des St.-Sophien-Hauses in Metelen / Tectum Caritas gGmbH Steinfurt


April 2014 - "Ich bringe ihn euch..."

In einem kleinen Heftchen von Fritz Leinung, einem früheren Pfarrer in Kleve am unteren Niederrhein, mit dem Titel "Wege zueinander" steht folgende Passage:

 "Eine junge Frau, die auch der Szene zuzurechnen ist (Anm. des Autors: es geht um die Obdachlosenszene), kam ins Pfarrhaus. Sie hatte eine Porzellanfigur bei sich, die den gekreuzigten Jesus Christus darstellte. Das dazugehörige Holzkreuz fehlte. Sie gab uns die Figur und sagte: "Ich war gestern Abend auf einer Fete. Da haben sie mit dem da Spott getrieben. Das konnte ich nicht so gut haben und so bin ich dazwischen gegangen. Ich habe ihn denen abgekauft. Ich bringe ihn euch. Ich weiß, bei euch ist er in Sicherheit!"

 Die Porzellanfigur des gekreuzigten Jesu bekam einen Ehrenplatz in unserer Kirche. Sie wurde über der Nische befestigt, die als Aufbewahrungsort dient für das Brot und den Wein, die für die Feier der heiligen Messe benötigt werden und die bei der Gabenbereitung von dorther von den Messdienern zum Altar gebracht werden."

 Der jungen Frau wird am nächsten Tag, als sie wieder zum Mittagessen in der Klosterpforte, wo täglich den Obdachlosen eine Mahlzeit angeboten wird, erscheint, der neue Bestimmungsort gezeigt. Sie ist wohl sehr ergriffen und weiter wird dann davon berichtet, dass sie sich und ihre Kinder später taufen lässt.

 Es mag sein, dass dieser Bericht fast schon kitschig anmutet - aber wer den Schreiber kennt, der darf sicher sein, dass es sich so zugetragen hat.

 Da kommt eine Frau aus der Obdachlosenszene und setzt sich für eine Figur des gekreuzigten Jesus ein. Sie spürt, dass man so mit dieser Figur - und letztlich damit doch wohl auch mit den Menschen, für die Jesus stand - nicht umgehen kann. Sie holt ihn aus der Situation heraus und vertraut ihn der Institution an, die für sich in Anspruch nimmt, sein Anliegen und seine Botschaft weiter zu leben.

 Wie gut ist es, dass sie bei diesem Anliegen auf eine Gemeinde trifft, die diese Erwartung wirklich erfüllt. Mit der Figur des gekreuzigten Jesus, die aus dem Elend und der Verachtung herausgeholt wird, holt man die Menschen, die in Not und Elend leben, mitten hinein in den Gottesdienst.

 Gottesdienst und Nächstenliebe sind untrennbar miteinander verbunden. Man kann nur glaubhaft Zeugnis für die Sache Jesu ablegen, wenn beides miteinander zur Anwendung kommt - Eucharistie und Diakonie (Caritas).

 Ich bringe ihn euch! Ich weiß, bei euch ist er in Sicherheit.

 Wie viel Vertrauen muss diese junge Frau gehabt haben und wie wäre es für sie wohl gewesen, wenn sie vom Verbleib der Figur nie mehr etwas gehört hätte? Müssen wir uns in der Arbeit der Caritas nicht immer wieder - jeden Tag aufs Neue - die Frage stellen (lassen), was wir mit den Menschen machen, die sich uns anvertrauen bzw. die uns anvertraut werden?

 Bekommen sie das, was sie wirklich brauchen - oder werden sie nicht allzu oft in die Systeme eingebunden, die wir geschaffen und etwa mit Kostenträgern (Sozial- und Jugendämter, Kranken- und Pflegekassen) vereinbart haben?

 Haben wir wirklich immer nur das Wohl dieser Menschen im Blick oder sind es nicht leider zu oft schon Aspekte, die über die Hilfe für den Einzelnen hinausgehen? Schon eine Frage oder Überlegung, dass ich einen bestimmten Konflikt nicht eingehe, weil ich vom Kostenträger an anderer Stelle ja noch etwas haben will - darf die überhaupt auftauchen?

 Nur wenn wir wirklich den Menschen, die zu uns kommen und sich uns anvertrauen - oder anvertraut werden - zusagen können, dass sie bei uns in Sicherheit sind, dann leben wir wirklich etwas von dem, was auch in dem Satz "Caritas ist Anwalt der Armen" ausgedrückt wird.

 Wenn man sich ansieht, wie deutlich unser Papst Franziskus in der bisherigen Zeit seines Pontifikates diese Option für die Armen in den Vordergrund gerückt hat, dann ist dies mehr als ein beliebiger Hinweis.

 
Peter Frings

Justitiar im Caritasverband für die Diözese Münster

 
(Die am Anfang zitierte Passage im Heft von Pfarrer Leinung ist auf den Seiten 41-42 zu finden.)

März 2014 - Gehst Du weiter?

"Gehst du weiter, wenn dein Weg durch die Wüste führt?" leise läuft im Hintergrund das Lied von Norbert M. Becker, dessen Text aus der Feder von Franz-Josef Ruwe stammt. Das Lied stimmt mich heute nachdenklich - nicht die Melodie oder die angenehme Stimme steht diesmal im Vordergrund.

Ich lasse mich nicht davon berieseln, sondern der Text ist es, der mich anrührt und meine Gedanken schweifen lässt:

Wüstenwege im Leben, auf denen das, was mich nährt und stärkt, knapp ist.

Wüstenwege in meinem Leben , auf denen ich mein Ziel aus den Augen verliere.

Wüstenwege in meinem Leben, auf denen ich zweifle und vielleicht das Vertrauen in meine Fähigkeiten, mein Durchhaltevermögen und die Hoffnung auf Hilfe von außen verliere.

Wüstenwege in meinem Leben, auf denen ich schwere Lasten trage, seien es hohe berufliche Anforderungen oder private Schicksale, dir mir die Luft zum Atmen nehmen oder mir den Weg zu meinen inneren Kraft-und Ruhequellen abschnüren.

Wüstenwege in meiner Partnerschaft oder Ehe.

Wüstenwege in meinem Leben, wenn ich schwer erkranke.

Was oder wer trägt, leitet, stärkt mich dann?

Habe ich ein solides Fundament oder habe ich in der Vergangenheit auf Sand gebaut?

Ich glaube jeder Mensch gerät in seinem Leben auf Wüstenwege. Auch Jesus verbrachte 40 Tage in der Wüste. Es ist die Geschichte der Versuchung Jesu (Mt 4,1-11; Mk 1,12-14; Lk 4,1-13). Die Versuchung besteht darin, dem Leid aus dem Weg zu gehen. (Dazu fallen mir spontan einige menschliche Vermeidungsstrategien ein wie Alkohol, Drogen, ignorieren, aussitzen usw.) Gott dagegen hat die Macht, den Menschen auch ohne Brot am Leben zu erhalten und zu „nähren". Auf das besinnt Jesus sich, hungrig, nach 40-tägigen Fasten und er widersteht der Versuchung, Gottes Wege, auf die er sich bei jeder einzelnen Versuchung bezieht, zu verlassen.

Im Lied von Norbert Becker wird dieses Gottvertrauen aufgegriffen: „Wenn du fragst, wenn du zagst, wenn du bangst, glaube daran: Gott erkennt deine Angst,… Gott erträgt deine Angst,…. Gott besiegt deine Angst!"

Ich werde die Wüstenwege in meinem und in dem Leben meiner Mitmenschen nicht abschaffen können. Sie wollen gegangen werden, diese Wüstenwege in unserem Leben.

Und wieder die Frage, was trägt, hält und nährt uns auf diesen Wüstenwegen?

Jesus war ganz zu Anfang seines Wirkens in der Wüste und kommt heil und gestärkt für seinen weiteren Lebensweg heraus. Sein Rezept? Ganz nah bei Gottes Wort und Gebot zu bleiben und auf Gott zu vertrauen. Nicht mehr und nicht weniger. Und doch gibt es Wüstenwege in unserem Leben, auf denen selbst wir Christen uns zweifelnd fragen, wo denn Gott jetzt überhaupt ist?

Dazu fällt mir eine Stelle aus dem Ersten Johannesbrief ein: „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." (1. Joh.4,16) Im oben genannten Lied heißt es im Refrain: „Weil du glaubst, weil du hoffst, weil du liebst, lebt Gott in dir, lebt in allem, was du gibst…" Die Wüstenwege in unseren Leben wird es weiterhin geben, doch sie scheinen mir gangbarer mit einem Vertrauen auf Gottes ständige Gegenwart und Liebe und in Verbundenheit und Liebe zu anderen Menschen - und nicht zu vergessen, in Achtsamkeit und Liebe zu mir selbst.

Das Foto zeigt Kristina Funke-Stiemert. 

Kristina Funke-Stiemert

Mitarbeiterin soziale Betreuung im Seniorenheim Haus St. Josef Heiden
(in Trägerschaft der Schwestern der Hl. Maria Magdalena Postel)

 

 

Februar 2014 - Begin Again

 

Januar 2014 - Das Glück des Unplanbaren

Mehr Zeit mit der Familie verbringen oder wahlweise mit den Freunden… Und ehrlich
gesagt ist meistens schon in der ersten Woche klar, dass auch in diesem Jahr nichts
bleibt als gute Vorsätze. Vielleicht sind Sie ja da zielstrebiger, ich leider nicht.
Dienstlich kann ich es mir nicht leisten nicht zielstrebig zu sein. Dienstlich geht ohne eine
wirklich gute Planung meiner Zeit und aller Projekte, die in unserem ambulanten Bereich
so laufen, nichts. Habe ich keine Chance meinen Alltag zu überleben.
Zuviel hängt davon ab, dass ich eine gute Struktur schaffe. Zu viele Menschen sind von
mir an dieser Stelle abhängig. Vorsätze reichen da nicht. Da muss „geliefert“ werden. Und
ich bin ehrlich gesagt auch der Meinung, dass ich dieses meinem Umfeld schuldig bin:
Meinen Vorgesetzten/meinem Träger, dass ich die an mich delegierten Aufgaben bestmöglich
erledige. Meinen Mitarbeitern, dass ich sie wertschätze und – so weit möglich
– ihre Arbeitsbedingungen positiv beeinflusse. Meinen Patienten, dass ich mir ihrer Individualität
bewusst bin und das Leistungsspektrum ihren Bedürfnissen möglichst optimal
anpasse.
Der Alltag auf allen Ebenen ambulanter Pflege und Betreuung ist eng durchgetaktet. Ohne
meinen Kalender, meine Jobliste und meine penibel sortierten Ablageboxen geht da nix!
Und - nicht immer zu ihrer reinen Freude - müssen die mir unterstellten Teamleitungen
genauso gut strukturiert sein.
So laufen denn unsere straff organisierten Arbeitskreise auch selbstverständlich wie am
Schnürchen! Da kennt jeder seine Aufgaben und bringt sich zielgerichtet und optimal in
den Auftrag ein! Da gibt es keine Zeit für Zeitverschwendung! Naja, meistens jedenfalls.
Die Überarbeitung einer Verfahrensanweisung? Kein Problem: drei Leute - 90 Minuten,
dann aufschreiben, implementieren, kontrollieren. Das machen wir fast nebenbei.