100 Jahre Menschen bewegen – Caritas

Das Foto zeigt eine Ordensschwester, die einer Schar Kinder vor ihr Akkordeon vorspielt.

Der Erste Weltkrieg verschärfte das Elend weiter Teile der Bevölkerung. Eine neue Organisationsform war notwendig und formte sich 1916 mit der Gründung des Caritasverbandes für die Diözese Münster e.V. Ansätze dazu hatte es schon im Verband "Arbeiterwohl" gegeben, der 1880 entstand. Auf dessen Generalversammlungen wurde immer wieder der Zusammenschluss der vielfältigen caritativen Vereine und "Anstalten" im katholischen Bereich angemahnt.

In einem kleinen Büro begann als erster Caritassekretär Kaplan Heinrich Weber vor 100 Jahren mit der Aufbauarbeit. Daraus wuchs die heutige Geschäftsstelle des Diözesancaritasverbandes am Kardinal-von-Galen-Ring in Münster. Gut 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter organisieren Fortbildungen, verteilen Fördermittel, beraten die Fachdienste und Einrichtungen vor Ort und transportieren ihre Anliegen auf die politische Ebene.

Mit der Vertretung von rund 2.600 Diensten und Einrichtungen ist der Caritasverband für die Diözese Münster einer der größten Verbände unter dem Dach der deutschen Caritas. 55.000 Mitarbeiter arbeiten in ihnen. Unterstützt werden sie von rund 30.000 Ehrenamtlichen.

Die sozialen Aktivitäten der katholischen Kirche im Bistum sind allerdings nicht über die Jahrzehnte gewachsen, sondern haben sich beständig gewandelt. Neue Bedürfnisse aufzunehmen und dafür gemeinsam mit den örtlichen Diensten Hilfen zu entwickeln, ist eine der wichtigsten Aufgaben des Diözesancaritasverbandes.

Das Jubiläum feiern wir deshalb gemeinsam als Caritas in der Diözese Münster. Wir wollen dieses Jahr auch nutzen, um die stetige Entwicklung der sozialen Arbeit aufzuzeigen. Menschen haben sie geprägt. Sie haben die Caritas bewegt.

Beständig ist der Wandel

Porträtfoto von Josef Leenders

Caritas als liebende Sorge um den Menschen gehört zum „Markenkern“ der christlichen Kirchen. Die Formen, wie dieser Auftrag umgesetzt wird, hat sich in 2.000 Jahren immer wieder gewandelt und den aktuellen Anforderungen angepasst. Vor 100 Jahren erforderten die sozialen Umstände eine Organisationsform, die die schon bestehenden vielfältigen Aktivitäten in den Diözesen bündelte und in ihrer Arbeit vor Ort unterstützte.

In vielen Bistümern wurden in der Zeit des Ersten Weltkriegs und den Jahren danach Diözesancaritasverbände gegründet. Am 26. Juli 1916 wurde in Münster die Gründungsurkunde unterzeichnet.

Auch in den 100 Jahren seitdem war die soziale Arbeit vielfältigen Wandlungen unterworfen. Mitarbeiter vor Ort erkannten neue Bedürfnisse und entwickelten daraus Hilfen wie beispielsweise vor rund 40 Jahren in Ibbenbüren die Sozialpädagogische Familienhilfe. Andere Hilfsformen verloren ihre Bedeutung, verschwanden wieder oder gingen in anderen Diensten auf.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und politischer Gestaltungswille beförderten die ständigen Wandlungen. Der Diözesancaritasverband ist hier das Scharnier. Er greift Entwicklungen vor Ort auf, fördert sie modellhaft und setzt sich für die finanzielle und rechtliche Absicherung ein. Umgekehrt transportiert er neue Regelungen auf die Ortsebene.

An sich wird nur die Geschäftsstelle des Diözesancaritasverbandes 100 Jahre alt, aber in dieser engen Verzahnung feiern wir dieses Jubiläum als Caritas in der Diözese Münster. Wir möchten es nutzen um aufzuzeigen, dass nur der Wandel in der sozialen Arbeit der katholischen Kirche beständig ist. Verantwortlich dafür sind auch die Kreativität und das Engagement der Menschen, die haupt- und nebenamtlich in ihr arbeiten. Eben: Menschen bewegen – Caritas.

Domkapitular Josef Leenders
Vorsitzender